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Der Organismus hat nur eine beschränkte Möglichkeit sich auszudrücken. Daher ist die Heilsprache des Organismus im einzelnen sehr einfach, in der Kombination von Symptomen aber sehr vielgestaltig.

Hier kommt die Theorie des Haltepunktes ins Spiel, die Burnett formulierte.

Die Theorie des Haltepunktes

»Der Haltepunkt der Wirkung eines Mittels ist jener Punkt in einem krankhaften Prozeß, hinter den es nicht gehen kann. So ist es bei der Behandlung der Nagel-Pneumonie mit Phosphor (eine Lungenentzündung die aufgrund des Eindringens eines Fremdkörpers - hier ein Nagel - in die Lunge entstanden ist).

Die Wirkung von Phosphor erschöpft sich, oder wird gestoppt an dem Punkt, wo der Nagel ist, der Nagel ist der Haltepunkt. Bei einer Mikroben-Pneumonie ist da der Haltepunkt, wo die Mikroben wirksam sind.

Deswegen müssen wir in Bezug auf den Bereich der Mittelwirkung überlegen, ob sie auch den Bereich der Krankheitswirkung umfasst und ob sie bis zum Ende reicht, also von Anfang bis Ende genau entsprechend war, oder ob sie nur einen Teil des Weges gehen kann. Wenn sie nur einen Teil des Weges gehen kann, nenne ich den Ort, an dem sie endet, den HaltepunktHaltepunkt, oder den Punkt , an dem die Wirkung gestoppt wird, oder sich erschöpft.«[Burnett-Best, S. 66]

Burnett schreibt weiter:

»Ich hatte einmal einige Jahre lang ein junges Mädchen zu behandeln, das an wiederholten Anfällen von Kongestion des Gehirns litt: es schoss ihr heiß und rot ins Gesicht; ihre Pupillen waren weit und offen sie war ruhelos; sie warf sich umher und redete Unsinn. Das war ein schönes Bild einer Belladonna-Vergiftung, und daher wurde jedesmal Belladonna gegeben, und es heilte jedesmal. Schließlich wirkte die Belladonna bei einem der Anfälle nicht mehr und die Patientin starb.

Das Ende erwies, dass die verschiedenen Anfälle ihren Grund in Tuberkeln hatte, und da erkannten wir deutlich, warum die Patientin starb und was der Grund dafür war, dass Belladonna zwar die Symptome beseitigte, aber die Krankheit weiterlief, woran die Patientin letztendlich starb.

In diesem Falle war die Arznei Belladonna das Mittel der Anfälle bis zu den Tuberkeln, aber nicht weiter: der Ort, wo sie wirksam waren, war der Haltepunkt von Belladonna; bis zu diesem Haltepunkt war sie wirksam, aber nicht weiter; und warum ?

Weil eben keine Homöopathizität auch jenseits des Haltepunktes vorhanden war; vom Beginn bis zum Haltepunkt war die Homöopathizität deutlich, und die Mittelwirkung ganz und vollständig, aber zwischen dem Haltepunkt und dem Ziel wirkte sie nicht mehr, weil da keine Homöopathizität mehr war. Belladonna ist - wie wir wissen - nicht in der Lage, einen krankhaften Prozess, der der Tuberkulose ähnlich ist, hervorzurufen. Von der absoluten Wahrheit dieser Dinge musste ich mich oftmals überzeugen lassen.«[Burnett-Best, S. 123-124]