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Die Aktivierung in der psorischen Phase Bearbeiten

Fall 55: Bearbeiten

Ein Mann und eine Frau hatten einen vieljährigen Krätz-Ausschlag (Psora) auf der Hand, auf dessen Abtrocknung jedesmal Fieber (Aktivierung) folgte, welches, sobald es zu Ende ging, den wieder erscheinenden Krätz-Ausschlag zur Folge hatte - und doch war der Krätz-Ausschlag nur auf einem kleinen Theile des Körpers und ward von beiden nicht durch äußere Mittel vertrieben.

Beurteilung:

Vom psorischen Miasma wird gesagt, dass es ausschließlich funktionelle Störungen hervorrufe, das bedeutet, dass es zwar die Funktionen, und das Zusammenspiel im Organismus stört, jedoch keine bleibenden organischen Veränderungen nach sich zieht.

In diesem Fallbeispiel erleben wir zunächst das Zurücktreten eines Hautausschlages. Er wird nicht durch äußere Maßnahmen vertrieben, deshalb kann man nicht in direktem Sinne von einer Unterdrückung sprechen, jedoch führt das Zurücktreten des Ausschlages zur Ausbildung eines Fiebers, eine gewisse Form von Aktivierung im Inneren des Organismus.

Danach erfolgt das Wiederauftreten des Hautausschlages, nachdem das Fieber wieder zurückgetreten ist, und der Ausschlag wieder auf der Haut erscheint. Die Aktivierungsphase scheint damit vorbei zu sein.

So scheint in unserem Beispiel die funktionelle Ebene nicht verlassen worden zu sein, denn es sind am Organismus nach Durchlaufen der Aktivierungsperiode keine Spuren zu sehen, die anders wären, als vor der Aktivierung. Es scheint eigentlich nur eine Verlagerung von außen nach innen, und von innen nach außen stattzufinden.

Somit könnte man sagen: verschwindet der psorische Hautausschlag, das Ventil sozusagen, das den Ausbruch einer systemischen Erkrankung im Zaum hält, so tauchen innere Beschwerden auf, in diesem Falle ein Fieber, eine Beschwerde die mit Steigerung der Temperatur, des Pulsschlages, und verschiedener anderer Tätigkeit einhergeht.

Aus der latenten Mangelkrankheit Psora, wird eine aktivierte Form, die aktive Form der Psora. Auch sie verlässt nicht die funktionelle Ebene, zeigt sich aber gegenüber dem »normalen psorischen Zustand« aktiver, und sensitiver.

Ein anderes Phänomen lässt sich an diesem Fall gut beobachten, nämlich, dass die Größe des Hautausschlages keine Rolle spielt. Er kann sehr klein sein, und doch nach seiner Unterdrückung eine heftige Symptomatik produzieren.

Somit ist die Vorstellung, dass es sich bei einem Hautausschlag um ein lokales Phänomen handelt, durch diese Tatsache relativ unwahrscheinlich geworden. Ein Hautausschlag ist ein lokales Phänomen einer systemischen Erkrankung, die aktiv werden kann, beraubt man sie des Auslassventils.

Eine ähnliche Konstellation finden wir im nächsten Fall.

Fall 56: Bearbeiten

Scabies (Psora) a febre (aktive Form der Psora) suborta supprimitur, remota febre

Fall 57: Bearbeiten

Einem neunjährigen Knaben hatte die Mutter den Grindkopf (Psora) eingeschmiert; er verging, aber es folgte ein heftiges Fieber (aktive Psora).

Beurteilung:

Im Fall 57 liegt der Fall etwas anders, als in den Fällen zuvor, denn hier wird von außen eingegriffen. Die Psora, oder der psorische Ausschlag, wird hierbei unterdrückt, doch die grundsätzliche Reaktion der Aktivierung, erkennbar an dem Fieber bleibt die gleiche. Entscheidend ist, ob auch hier der Organismus die Kraft hat den »unterdrückten« Hautausschlag wieder auf die Oberfläche zu bekommen, denn im Unterschied zu den anderen Fällen, in denen der Ausschlag von selbst zurücktrat, wurde hier eine künstliche Situation geschaffen, die das Immunsystem des Organismus noch mehr fordert. Bleibt hier die Erkrankung in der Aktivierung stecken, kann der Organismus aus eigener Kraft den Ausschlag nicht wieder auf die Haut bringen und muss dahingehend therapiert werden.

Fall 74: Bearbeiten

»Alte Leute haben vorzüglich dürre Krätze (Psora), und wird diese durch äußere Mittel vertrieben, so entsteht gewöhnlich viertägiges Fieber (Aktivierung), welches sogleich weicht, sobald die Krätze wieder auf die Haut tritt.«

Beurteilung:

Auch hier kommt es nach der unterdrückten Psora zu einer Aktivierung, erkennbar an dem sich aufbauenden Fieber. Ist die Aktivierung des Immun- und Wärmesystems erfolgreich, wird die Unterdrückung wieder rückgängig gemacht, und der ur-sprüngliche Zustand wiederhergestellt.

Fall 80: Bearbeiten

Ein Mann, der einen oft wiederkehrenden Krätz-Ausschlag (Psora) mit einer Salbe vertrieben hatte, fiel in epileptische Zuckungen (hyperaktive Phase der Psora), welche nach Zurückkehrung des Ausschlags auf die Haut wieder vergingen.

Beurteilung:

Hier werden wir einer neuen Form der Aktivierung ansichtig, der gesteigerten Spannung, die sich in Konvulsionen entladen kann. Auch hier gilt das gleiche Prinzip der vorher besprochenen Fälle, erscheint der Ausschlag wieder auf der Haut, ist auch die Epilepsie verschwunden. Dennoch scheint die epileptische Erscheinung als Reaktion nicht ganz angemessen, wie es das Fieber ist. In solch einer übersteigerten Reaktion scheint der Ausdruck Aktivierung unpassend, die unmäßige Reaktion des Organismus spricht eher für eine Hyperaktivierung.

Die Aktivierung der Psora und die Erschöpfungsphase Bearbeiten

Fall 72: Bearbeiten

»Nach vertriebner Krätze (Psora) entstehen am häufigsten hitzige Fieber (aktive Phase der Psora) mit großem Sinken der Kräfte (Erschöpfungsphase der Psora). In einem solchen Falle hätte das Fieber sieben Tage angehalten, worauf der Krätz-Ausschlag wieder auf die Haut kam und das Fieber aufhob.«

Beurteilung:

Wie wir an diesem Fallbeispiel erkennen können, bleibt die Aktivierung durch die Unterdrückung der Psora, nicht ganz ohne Folgen, denn sie kann den Organismus sehr erschöpfen, vor allem wenn der Organismus mit der Fieberreaktion überfordert wird, was einer Hyper-Aktivierung gleichkommt. Oft tauchen diese beiden Zustände gepaart auf, und lassen das Psora!Dynamik!UrmusterUr-Muster der psorischen Dynamik erkennen, und damit das Ur-Muster von Auseinandersetzung des Organismus mit der Krankheit überhaupt.

Aus der aktivierten Phase entwickelt sich die Überschusskrankheit (Sykose), aus der Erschöpfungsphase die Zerstörungskrankheit (Syphilinie). Somit ist in dieser Reaktionsweise bereits die Keimzelle jeglicher heilenden Einflüsse und Interaktionen bereits angelegt, wie sie auch in der miasmatischen Dynamik der Tsora-at angelegt war.

• Somit scheint die Psora nichts anderes zu sein als die Tsora-at auf der funktionellen Ebene. 

Fall 73: Bearbeiten

Bei einem 15 jährigen Knaben, der lange Zeit Kopfgrind (Psora) gehabt und von Pelargus ein starkes Purgiermittel dagegen bekommen hatte, entstand bald Rückenschmerz (Psora) und Schneiden beim Harnen (Psora), worauf ein dreitägiges Wechselfieber (aktive Form der Psora im Wechsel mit der Erschöpfungsphase der Psora) erfolgte.

Wechselfieber ist oft allein auf die psorische Ebene beschränkt, es kommt hierbei zu einem Kreislauf, in dem ausbalancierte Zustände von aktivierten Zuständen abgelöst werden; diese wiederum von Erschöpfungszuständen usw. Sie bilden eine Art »Teufelskreis« aus dem das Entrinnen schwer ist.

Fall 75: Bearbeiten

Ein 57 jähriger Graf hatte drei Jahre an der trocknen Kätze (Psora) gelitten. Sie ward vertrieben und er genoß zwei Jahre lang einer anscheinend guten Gesundheit; nur hatte er indes zwei Schwindelanfälle (Psora), die allmählig sich so erhöhten, daß er einstmals nach geendigter Mahlzeit von einem solchen Schwindel befallen ward, daß er zu Boden gestürzt wäre, hätte man ihn nicht ergriffen. Er war mit eiskaltem Schweiße (Erschöpfungsphase der Psora) bedeckt, seine Glieder zitterten, alle Theile waren wie abgestorben, er bekam öfters saures Erbrechen (Hyperaktivierung). Ein gleicher Anfall kam 6 Wochen darauf, dann alle Monate einer, drei Monate lang. Es blieb dabei wohl Besinnung, aber es folgte darauf jedesmal Schwere des Kopfes und trunkene Betäubung. Zuletzt kam der Anfall täglich, obwohl gelinder. Er durfte nichts lesen, nicht nachdenken, sich nicht schnell umdrehen und sich nicht bücken; dabei Traurigkeit, kummervolle, ängstliche Gedanken und Seufzen.

Beurteilung:

So beschwerlich das Schicksal dieses alten Mannes auch sein mag, so scheint die Erkrankung dennoch die psorische Ebene nicht zu verlassen, ganz im Gegenteil findet allmählich eine Heilung statt. Es ist eine homöopathisch beobachtete Tatsache, dass selten auftretende schwerwiegende Erkrankungsepisoden sich dadurch ausheilen, dass sie leichtere Formen in geringeren Abständen produzieren, wie es hier mit den Schwindelanfällen geschieht. Ob es jedoch ohne arzneiliche Unterstützung zur Ausheilung kommen kann ist dennoch sehr fraglich.

Fall 81: Bearbeiten

Ein 18 jähriger Jüngling vertrieb sich die Krätze (Psora) mit einer Quecksilbersalbe, und zwei Monate darauf ward er unvermuthet von Krämpfen überfallen, die alle Glieder des Körpers, bald dieses, bald jenes, befielen mit schmerzhafter Zuschnürung der Brust (Hyperaktivität der Psora mit beginnender Tuberkulinie) und des Halses, Kälte der Gliedmaßen (Erschöpfungspol der Psora) und großer Schwäche (Eschöpfungspol der Psora). Den vierten Tag darauf entstand Fallsucht mit Schaum vor dem Munde, wobei die Glieder wunderbar verdrehet wurden. Die Fallsucht wich erst dann, als die Krätze wieder erschien.

Beurteilung:

Dieser Fall ist vergleichbar mit der Fallgeschichte Nr. 80 (unter Aktivierung der Psora). Doch zusätzlich zur gesteigerten Spannung, die sich in Konvulsionen entladen kann, kommt es hier noch zu einer Zuschnürung der Brust und des Halses, und zur Ausbildung von massiven Schwäche- und Erschöpfungssymptome.

Die Reaktion des Bronchialsystems ist sehr typisch für den weiterführenden aktivierten Ast der Psora. Fixiert sich diese Aktivierungsform findet sozusagen ein Miasmenwechsel statt, und wir sprechen nicht mehr von der Psora, sondern von der Tuberkulinie.

Vielleicht sollte an dieser Stelle eine kleine Anmerkung über die Miasmen erfolgen. Wir betrachten die Miasmen immer so, als seien sie Entitäten an sich, jedoch ist das eine Illusion.

• Miasmen sind Fixierung eines dynamischen Prozesses

an einer bestimmten Stelle. Diese Fixierung koppelt sich aus dem sinnvollen Gefüge aus, und produziert dadurch ihre Symptomatik. Das heißt es gibt im Grunde genommen keinen Unterschied zwischen einem heilerisch dynamischen Prozess und der daraus resultierenden Symptomatik, oder dem entkoppelten fixierten Prozess und dessen Symptomatik.

Allein die Fähigkeit oder Un-Fähigkeit, ob der Organismus die Fixierung alleine aufgeben kann oder nicht, entscheidet, ob es sich um eine miasmatische Fixierung handelt oder nicht.

In diesem Fall scheint der Organismus jedoch noch keinen Miasmenwechsel vollzogen zu haben, da er es alleine schafft den psorischen Ausschlag wieder zu erzeugen. (Siehe zum Vergleich Fall 85 unter dem Kapitel Tuberkulinie)

Fall 82 - 84: Bearbeiten

Ähnliche Geschichten ohne neuere Erkenntnisse.

Fall 59: Bearbeiten

Eine 43 jährige Frau, lange mit dürrer Krätze (Psora) geplagt, schmierte sich die Gelenke mit einer Salbe aus Schwefel und Quecksilber und vertrieb sie so, worauf sie Schmerzen unter den rechten Ribben (hyperaktive Phase der Psora ?; Tuberkulinie ?), Ermattung (Erschöpfungsphase der Psora) und Hitze (aktive Phase der Psora) und Fieberbewegungen (hyperaktive Phase der Psora) bekam. Nach sechstägigem Gebrauche einiger schweißtreibenden Mittel brachen über den ganzen Körper große Krätzpusteln aus.

Die Erschöpfungsphase der Psora Bearbeiten

Fall 91: Bearbeiten

Eine Frau bekam nach äußerlich vertriebner Krätze Lähmung des einen Beins und blieb lahm.

Sind wir bisher gewohnt gewesen, dass es nach einer psorischen Unterdrückung zur Aktivierung der Psora kommt, die sich in Form von Aktivität und Überwärmung äußert, so ist es hier der Erschöpfungspol der Psora der sich im Mangel und Einschränkung äußert.

Wir wissen, dass es Lähmungen gibt, die rein auf der funktionellen Ebene angesiedelt sind, z.B. nach Schocksitutationen oder bei bestimmten hysterischen Krankheitsformen. Dennoch aber wissen wir auch, dass Lähmungszustände duch Zerstörungen des Nervensystem entstehen können. Somit kann eine Lähmungsproblematik sowohl Ausdruck des funktionellen psorischen Miasmas sein, aber auch der Zerstörungskrankheit. Was in diesem Falle vorliegt ist nicht zu entscheiden.

Fall 92: Bearbeiten

Nach einer Vertreibung der Krätze mit Schwefelsalbe bei einem Manne von 53 Jahren erfolgte eine halbseitige Lähmung.

Fall 93: Bearbeiten

Ein Geistlicher, welcher lange Zeit vergeblich innere Arzneien gegen die Krätze (Psora) gebraucht hatte, ward es endlich überdrüssig und vertrieb sie mit Einschmieren, worauf er nach einiger Zeit eine Art Lähmung der obern Gliedmaßen (Erschöpfungsphase der Psora) bekam und harte dicke Haut (Sykose) voll blutiger Schrunden (Syphilinie) und erträglichem Jucken.

Beurteilung:

Auch wenn dieser Fall eigentlich in das Kapitel über die Syphilinie gehörte, möchte ich ihn dennoch hier besprechen, da an ihm einige Wirkprinzipien der miasmatischen Bezüge deutlich werden, die wir brauchen um die späteren Fallverläufe interpretieren zu können.

Wir sprachen bereits davon, dass normalerweise die Unterdrückung der Psora zu einer Aktivierung führt, jedoch in wenigen Ausnahmen, vielleicht wenn der Organismus bereits vorgeschädigt ist und die Aktivierung nicht mehr stattfinden kann, es direkt zu einer Erschöpfungsreaktion kommt. Diese Erschöpfungsreaktion kann sich als Lähmung äußern.

Wir sprachen auch davon, dass die Spitze der Erschöpfungsreaktionen die Syphilinie sei, was hier erkennbar wird an den tiefen Schrunden, die einen zerstörerischen, syphilitischen Prozess darstellen, zumal die Erscheinungen auf den Handflächen zu finden sind, eine typische Lokalisation der Syphilis.

Was wir noch lernen können, ist, dass der syphilitische Prozess meist gekoppelt ist an sykotische Überschuss-Reaktionen, hier erkennbar an den harten Schwielen.

Im syphilitischen Primäraffekt ist diese Koppelung erkennbar an der Bubonenbildung, also einer sykotischen Reaktion des Lymphsystems, die teilweise imponierender ist, als das syphilitische Ulcus selber. Nur bei der Syphilis maligna findet keine sykotische Reaktion statt, weshalb der Organismus auch in 2-3 Tagen zu Grunde geht.

Die reine Syphilinie ist Zerstörung pur, jedoch begegnen wir ihr nicht oft, da sie in den meisten Fällen mit sykotischen Reaktionen gekoppelt auftritt, was dazu führt, dass die Erkrankungen Syphilis und auch Gonorrhoe gemischte Formen annehmen. Die Gonorrhoe hat einen Anteil Zerstörung, die Syphilis einen Anteil Überschuss.

Wir wir auch an diesem Fall sehen können.

Der Fall Nr. 93 hat noch einen Zusatz, der die aktive Seite der Psora beleuchtet, es heißt dort »An demselben Ort gedenkt der Verfasser noch einer Frau welche gleichfalls von äußerlich vertriebner Krätze (Psora) kontrakte Finger (Hyperaktiviität; Tuberkulinie) bekam, woran sie lange litt.

Fall 94: Bearbeiten

Eine blödsinnige Melancholie sah er von unterdrückter Krätze (Psora) entstehen; wie die Krätze wieder ausbrach, verschwand die Melancholie.

Beurteilung:

Geistige oder Gemütsstörungen sind miasmatisch schwer einzuordnen, sie können zu allen Miasmen gehören. Die Tatsache, dass die Melancholie sich durch Auftreten der Krätze von selbst löst kann ein Hinweis dafür sein, dass die Erkrankung die funktionelle Ebene, und damit die Psora noch nicht verlassen hat.

Die Aktivierung der Tuberkulinie Bearbeiten

Fall 1: Bearbeiten

Ein Mann von 30-40 Jahren litt unter Krätze (Psora), die durch durch Schmieren (Unterdrückung) vertrieben wurde. Es folgte Engbrüstigkeit (Tuberkulinie) mit mühsamem Atem, Pfeifen, aber wenig Husten. Heilung erfolgte durch Squilla, die er versehentlich anstatt als Einlauf über den Mund einnahm. An der Reaktion auf das Arzneimittel starb er fast. Die negativen Reaktionen und die Engbrüstigkeit verschwanden, als der Krätzeausschlag wieder auftauchte.

Beurteilung:

Abgesehen von der Komplikation, die durch die Fehlverabreichung der Squilla entstand, ist die Reaktionsweise typisch für die einfache Unterdrückung der Psora. Die Hauterscheinungen verschwinden, an deren Stelle treten Konstriktionen des Bronchial- und Alveolensystems (Hyperaktivierung der bronchialen Stämme). Diese Reaktionsweise ist typisch für die aktivierte Phase der Psora, aber auch für die Aktivierung der Tuberkulinie, die vor allem die Hohlorgane befällt, gemäß ihrer Struktur als Zwischenkrankheit zwischen der Über-Fülle der Sykose und dem psorischen Mangel, die besonders in der tuberkulösen Kaverne oder in der Verkäsung zum Ausdruck kommt.

Diese Reaktionsweise ist zumeist einfach zu behandeln, wenn noch keine miasmatische Fixierung stattfindet und die Erkrankung die psorische Ebene nicht verlässt, denn dann ist der Organismus oft selbst in der Lage durch die bereits beschriebenen Fieberreaktionen den Hautausschlag selber wieder hervorzubringen.

Hat jedoch eine miasmatische Fixierung in der Tuberkulinie stattgefunden ist eine Spontanheilung eher ungewöhnlich, als die Regel. Auch in diesem Fall brachte erst Squilla die Heilung von der Engbrüstigkeit.

Die Verlagerung der Erkrankung auf das Bronchialsystem finden wir bei vielen Unterdrückungsgeschichten der Psora, sodass wir annehmen können, das dieser Weg der tuberkulinischen Aktivierung für den Organismus der zunächst einfachste Weg ist, um auf einen Unterdrückungsreiz zu reagieren.

Auch die nächsten Fallgeschichten zeigen diesen Verlauf.

Fall 3: Bearbeiten

32 jähriger Mann mit Krätze (Psora). Behandelt mit Schwefelsalbe. 11 Monate lang Engbrüstigkeit (Tuberkulinie). Heilung durch Birkensaft.

Fall 6: Bearbeiten

Ein kleines Mädchen litt unter einem Grindkopf (Psora), der mit Purganzien und inneren Arzneien von der Oberfläche vertrieben wurde. Es kam daraufhin zu Beängstigungen auf der Brust und Husten mit großer Mattigkeit (Tuberkulinie). Nach Aussetzen der Medikamente kehrte der Grindkopf zurück und das Kind wurde wieder munter.

Fall 23: Bearbeiten

Einem Schüler von 13 Jahren trocknete die Krätze (Psora) ab, er bekam aber Husten und Stechen in der Brust (Tuberkulinie) - Übel, welche vergingen, als die Krätze (Psora) wieder aufblühte.

Fall 22: Bearbeiten

Ein Bauerbursche, der unter Krätze (Psora) litt vertrieb sie duch eine Schwefelsalbe. Nach 6 Tagen litt er unter hitzigem Fieber mit Seitenstechen (Tuberkulinie) Brustbeklemmung (Tuberkulinie) usw.

Fall 8: Bearbeiten

Kopfgrind (Psora) durch Mandelöl vertrieben. Es kam zur Schlaffheit aller Glieder (Erschöpfungsphase der Psora), Essunlust, Engbrüstigkeit (Tuberkulinie), Erstickungskatarrhe nachts (Tuberkulinie), starkes Röcheln und Pfeifen auf der Brust (Tuberkulinie/Sykose), Konvulsionen der Glieder (Tuberkulinie) und Blutharnen (Tuberkulinie).

Beurteilung:

Auch wenn dieser Fall im Wesentlichen hyperaktive und tuberkuline Reaktionsweisen zeigt, ist er doch zunächst verwirrend. Wir finden Beschwerden die mit der Erschöpfungsphase der Psora im Zusammenhang stehen (Schlaffheit, Essunlust) und typische tuberkuline Reaktionsweisen (Engbrüstigkeit). Das starke Röcheln kann als Hinweis dafür gewertet werden, dass in diesem Fall eine vermehrte Schleimproduktion stattfindet, die den Weg in die Überschuss-Krankheit Sykose anzeigt. Die Konvulsionen der Glieder fanden wir schon bei der aktivierten Phase der Psora, so dass uns diese hier nicht überraschen können, da die Tuberkulinie die Fixierung der aktivierten Phase der Psora darstellt.

Wie sich in der Arzneimittelprüfung von Tuberkulinum und vor allem von Phosphor (die Haupt-Tuberkulinika) herausstellte, scheint es eine Tendenz der Tuberkulinie zu geben, Blutungen zu produzieren. Sie können als ähnliche Ventilreaktionen gedeutet werden wie die vermehrte Schweißabsonderung in der Psora. So dass das Blutharnen hier ebenfalls als tuberkuline Reaktion gedeutet werden kann.

Fall 44: Bearbeiten

Der Mastdarm-Blutfluß kam alle Monate wieder.

Beurteilung:

In diesem Symptom sind zwei der Tuberkulinie typische Symptome miteinander verknüpft, die Beziehung zu einem Hohlorgan und die Heilung bzw. Verbesserung durch Blutungen. So dass davon ausgegangen werden kann, dass auch hier die tuberkuline Ebene angesprochen wurde.

Fall 45: Bearbeiten

Es entstand auf äußerliche Vertreibung der Krätze (Psora) Blutgang (Tuberkulinie) auf 8 Pfund binnen einigen Stunden, Bauchweh, Fieber usw.

Beurteilung:

Auch in diesem Fall sehen wir wieder die tuberkulinie-typische Blutung, die Aktivierungsebene im Fieber, und einen weiteren Manifestationsort der Tuberkulinie, nämlich die Bauchorgane, die ähnlich wie das Lungengewebe ein Hohlorgansystem darstellen, das der Hohlraumbildung der Tuberkulinie sehr entgegen kommt.

Fall 58: Bearbeiten

Ein einjähriges Kind hatte einige Zeit Kopfgrind (Psora) und Gesichts-Ausschlag (Psora) gehabt, welches beides vor Kurzem eingetrocknet war; es bekam darauf Hitze (aktive Psora), Husten (Tuberkulinie) und Durchfall (Tuberkulinie).

Fall 61: Bearbeiten

Bei einem dreijährigen Kind entstand von einem selbst verschwundenen Kopfgrinde ein starkes Brustfieber (hyperaktive Psora; Tuberkulinie), Husten (Tuberkulinie) und Mattigkeit (Erschöpfungsphase der Psora), und es genas erst dann davon, als der Ausschlag wieder auf dem Kopfe erschien

Fall 68: Bearbeiten

Von vertriebner Krätze (Psora), ein bösartiges Fieber (Hyperaktivität) mit Opsithotonus (Tuberkulinie).

Beurteilung:

Die Psora, wie schon mehrmals angedeutet, ist ein funktionelles Miasma. Es beinhaltet zwar die Grundmuster aller Erkankungen durch die Überaktivität und die Erschöpfung, jedoch fixiert sich der Organismus in der psorischen Phase zumeist nicht auf eine dieser Reaktionsformen, denn würde er das tun, würde die funktionelle Ebene schnell verlassen werden und körperliche Manifestationen folgen. So sind es die Fixierungen, die körperliche Erscheinungen nach sich ziehen und damit die funktionelle Ebene, die Ebene der Störung der Funktion, verlassen. Fixiert sich die Hyperaktivität, entsteht die Tuberkulinie, oder später die Sykose, fixiert sich die Erschöpfungsphase bilden sich parasitäre Erkrankungen, und später die Zerstörungskrankheit. Sie sind zwar aus der Psora erwachsen, gehören jedoch nicht mehr zu ihr. Der Opisthotonus in diesem Fallbeispiel ist eine solche Fixierung. Er spricht die Sprache der Hyperaktivität, und damit der Tuberkulinie.

Fall 78: Bearbeiten

Ein 17 jähriges Mädchen bekam nach einem von selbst zurückgetretenen Kopfgrinde (Psora) beständige Hitze im Kopf (Hyperaktivität; Tuberkulinie) und anfallsweise Kopfschmerzen (hyperaktive Psora); sie fuhr zuweilen plötzlich wie von einem Schreck (hyperaktive Psora; Tuberkulinie) zusammen, bekam wachend krampfhafte Gliederbewegungen (Tuberkulinie), besonders der Arme und Hände, so auch Bangigkeiten in der Herzgrube, wie von Brustzusammenschnürung (Tuberkulinie) mit Winseln, darauf zuckten die Glieder und sie fuhr zusammen.

Beurteilung:

Die meisten Elemente dieser Erkrankung kennen wir nun schon, weshalb ich nicht weiter darauf eingehen möchte, worauf ich ihr Augenmerk richten möchte, ist die beständige Kongestion zum Kopf. In diesem Symptom wird die Fixierung der hyperaktiven Phase der Psora, die durch die anfallsweise auftretenden Kopfschmerzen charakterisiert ist angedeutet, und damit der Wechsel von Psora zur Tuberkulinie. Diese Kleinigkeiten sind es oft, die miasmatisch bedeutsam sind.

Sie erinnern noch die Geschichte von Burnett, der anfallsweise Kopfschmerzen zu behandeln hatte, die auf Belladonna immer gut reagierten und dennoch den Tod des Patienten brachten ?

Auch hier hatte es einen Wechsel gegeben von der Psora (Belladonna) zur Tuberkulinie, und Belladonna war nicht in der Lage die Veränderungen zu behandeln, die die funktionelle Ebene überschritten. Wir besprachen diese Tatsache bei der Theorie des Haltepunktes.

Hier sehen sie eine ähnliche Konstellation, auch hier würde Belladonna nicht mehr reichen, da die Erkrankung bereits die tuberkuline Ebene betreten hat und damit ein Miasmenwechsel vollzogen wurde.

Die Theorie des Haltepunktes ist von großer Wichtigkeit in der Therapie mit homöopathischen Mitteln, denn viele Homöopathen versuchen mit psorischen Mitteln Erkrankungen zu behandeln, die sich bereits jenseits der psorischen Phase befinden. Sie mögen damit Symptomfreiheit erreichen, für wie lange Zeit auch immer, doch der spyhilitische Prozess, der vielleicht der Erkrankung zugrunde liegt arbeitet weiter, bis er den Tod des Patienten bewirkt hat, auf welche Weise auch immer.

Symptomfreiheit ist keine Heilung, wie wir bei der Krebserkrankung deutlich zu spüren bekommen, die asymptomatisch ihr unheilvolles Werk vollendet, bis wir sie plötzlich erkennen, meist zu spät.

Symptomfreiheit ist nur Sprachlosigkeit des Organismus und kein Garant für Gesundheit.

Denken sie daher bei der Auswahl ihrer Arzneimittel, ob sie nur funktionelle Symptome unterdrücken, und somit Symptom- oder Erscheinungsfreiheit erreichen, oder ob sie heilen wollen.

Fall 85: Bearbeiten

Ein 18 jähriger Jüngling, der sich mit Merkurialmitteln die Krätze (Psora) vertrieben hatte, bekam einige Wochen darauf die Epilepsie (hyperaktive Psora; Tuberkulinie), welche nach 4 Wochen zum Neumonde wiederkehrte.

Beurteilung:

Dieser Fall zeigt große Ähnlichkeit zum Fall Nr. 81. Im Unterschied zum unter Psora geschilderten Fall, scheint es hier zu einer tuberkulinischen Fixierung zu kommen, da sich ein periodischen Geschehen einschleicht, und der Organismus nicht in der Lage ist, den ur-sprünglichen psorischen Ausschlag wiederherzustellen.

Ähnlich gelagert ist auch Fall Nr. 86.

Fall 86: Bearbeiten

Ein Knabe, 7 Monate alt, bekam die Fallsucht (Tuberkulinie), ohne dass die Eltern von einem vertriebnen Ausschlage etwas wissen wollten. Bei genauerer Forschung des Arztes aber gestand die Mutter, daß der Knabe nur einige Krätzblüthen (Psora) an den Fußsohlen gehabt habe, welche durch eine Bleiweißsalbe bald vergangen war; sonst habe das Kind keine Spur von Krätze am ganzen Körper gehabt. Der Arzt erkannte dies, wie billig, für die alleinige Ursache der Fallsucht.

Fall 87: Bearbeiten

Zwei Kinder wurden durch Ausbruch nässenden Grindkopfs von der Fallsucht befreit, welche jedoch heftig wiederkam, als man den Grindkopf unvorsichtiger Weise vertrieben hatte.

Fall 88:

Fünfjährige Krätze verging von der Haut und brachte nach mehreren Jahren Fallsucht hervor.

Fall 89:

Einem 20 jährigen Jünglinge ward die Krätze durch eine Purganz, welche ihn einige Tage lang heftig abführte, vertrieben, worauf er zwei Jahre über täglich die heftigsten Konvulsionen erlitt, bis die Krätze durch Birkensaft wieder auf die Haut gebracht ward.

Fall 90:

Ein junger Mensch von 17 Jahren von kräftigem Körper und gutem Verstande, verfiel vor 3 Jahren, nach einer vertriebenen Krätze (Psora), erst in Bluthusten (Tuberkulinie) und dann in Epilepsie (Tuberkulinie), welche durch Arzneien sich verschlimmerte, so daß er sie in jeder Stunde zweimal bekam. Ein andrer Chrirug brachte ihn durch häufiges Blutlassen und viele Arzneien dahin, daß er 4 Wochen von der Fallsucht frei blieb, aber bald darauf kam die Fallsucht in einem Mittagschlafe wieder und der Kranke erlitt die Nächte (Tuberkulinie; Syphilis) über zwei bis drei Anfälle; dabei bekam er einen außerordentlichen Husten (Tuberkulinie) und Stickfluß (beginnende Sykose), vorzüglich die Nächte (Tuberkulinie; Syphilis), wobei er sehr stinkende Flüssigkeit auswarf. Er ward bettlägerig. Zuletzt nach vieler Arznei stieg das Übel so hoch, daß er die Nacht zehnmal und am Tage achtmal Anfälle erlitt. Dennoch schlug er bei den Anfällen niemals die Daumen ein und es trat kein Schaum vor den Mund. Sein Gedächtnis ist geschwächt. Die Anfälle kommen bei Annäherung der Eßzeit, doch öfter nach dem Essen. Während der nächtlichen Anfälle bleibt er im tiefsten Schlaf, ohne zu erwachen, ist dann aber früh wie zerprügelt. Kein Vorzeichen giebt er von sich, außer daß er sich vorher die Nase reibt und den linken Fuß heranzieht, dann aber plötzlich hinfällt.

Beurteilung:

Dieser Fall ist insofern bedeutsam, da er uns Einblicke in die geheimnisvolle Epilepsie gibt. Wir haben zunächst die vertrauten Elemente der Psora-Unterdrückung, und -Aktivierung. Allein diese Aktivierung kann am muskulären System Krampfanälle, bzw. Konstriktionen, oder Zittern auslösen, doch ist hier die Krampfbildung mit dem Bluthusten vergesellschaftet, ein typischen Zeichen der Tuberkulose-Krankheit, der wesentlichen Ausprägung der Tuberkulinie. Somit hat die Erkrankung bereits an dieser Stelle die psorische Ebene verlassen und fixierte sich tuberkulinisch. Auch der weitere Verlauf spricht dafür, die nächtliche Verschlimmerung, ein Charakteristikum sowohl der Tuberkulinie als auch der Syphilinie, und die Besserung der Fallsucht durch Aderlassen. Wir hörten bereits, daß sich die Tuberkulinie durch Blutungen versucht auszuheilen. Hier wurde dieser Prozeß künstlich herbeigeführt.

Es kommt dabei zwar zu einer vorübergehenden Beschwerdefreiheit, jedoch nicht zu einer Verlagerung auf die psorische Ebene, der einzigen Möglichkeit hier eine Heilung herbeizuführen.

An einem Punkte schien die Möglichkeit gegeben, daß der kranke Organismus in die sykotische Phase der Krankheit überwechseln könnte, nämlich als sich der Stickfluss ausbildete. Dennoch schien der Organismus stark genug, die Erkrankung auf der tuberkulinen Ebene zu halten. Zu einer Heilung der Tuberkulinie kommt es jedoch nicht.

Die Aktivierung der Sykose Bearbeiten

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Fall 9: === Mädchen 12 Jahre alt. Krätze (Psora) wurde durch eine Salbe von der Haut vertrieben. Daraufhin Stickhusten mit Engbrüstigkeit (Tuberkulinie), Seitenstechen und Geschwulst (Sykose). Schwefel als innere Arznei brachte die Krätze wieder zum Vorschein. Und außer der Geschwulst verschwanden die Beschwerden.

Beurteilung:

Bedeutsam an dieser Fallgeschichte ist die Tatsache, dass sich die tuberkulinischen Erscheinungen nach einer Sulfurgabe zurückentwickeln, nicht aber die sykotischen. Diese Tatsache spricht für die Idee der miasmatischen Fixierung. Denn wenn eine Erkrankung eine neue Ebene betreten hat, wie in diesem Fall die sykotische in Form der Schwellung oder Geschwulstbildung, ist die Therapie in einer miasmatisch geringgradigeren Ebene unzureichend und kann den Krankheitsprozess in der »höherliegenden Ebene« nicht mehr beeinflussen, obwohl die anderern Erscheinungen sich ausheilen. So findet in diesem Beispiel eine Heilung der tuberkulinischen Beschwerden statt, nicht aber der sykotischen.

Fazit: Die sykotische Ebene gehört nicht mehr zum Wirkungskreis von Sulphur.

Fall 5: Bearbeiten

Ein 13 jähriger Knabe mit Kopfgrind (Psora) seit seiner Kindheit, ließ diesen von seiner Mutter vertreiben. 8-10 Tage später litt er an Engbrüstigkeit (Tuberkulinie), heftigen Glieder-, Rücken- und Knieschmerzen (Sykose). Heilung erfolgte durch erneutes Aufbrechen des Ausschlages.

Beurteilung:

Auch in dieser Fall-Geschichte zeigt sich die Aktivierung der Sykose durch die heftigen Glieder-, Rücken- und Knieschmerzen. Sie ist jedoch im Vergleich zu anderen Fällen, die die sykotische Ebene erreicht haben durch das Wiederauftreten des Ausschlages leicht heilbar. Es scheint demnach zu einer sykotischen Aktivierung gekommen zu sein, nicht aber zu einer Fixierung.

Fall 7: Bearbeiten

Ein 5 jähriger Knabe litt lange Zeit an Krätze (Psora). Durch eine Salbe vertrieben zeigte sich eine heftige Schwermütigkeit (Sykose) mit Husten (Tuberkulinie).

Beurteilung:

Auch dieser Fall verlässt die Ebene der Tuberkulinie. Die Schwermütigkeit ist oft das Resultat einer starken Leberbelastung, die angeschwollen eine gewisse Schwer-Blütigkeit bzw. Schwer-Mütigkeit produziert. Jedoch ist auch möglich, dass sich in der Schwermütigkeit die Zerstörungskraft der Syphilinie äußert.

Fall 13: Bearbeiten

Ein fünfjähriges Mädchen litt unter Krätz-Blüthen (Psora) an den Händen. Die trockneten ein, worauf sie kurze Zeit später schläfrig wird, matt (Erschöpfungsphase der Psora) , kurzen Atem (Tuberkulinie) bekommt, und unter Anschwellung des Bauches (Sykose) litt.

Beurteilung:

Die Anschwellung des Bauches zeigt in diesem Beispiel die Aktivierung der Sykose.

Fall 14: Bearbeiten

Ein 50jähriger Landmann, litt unter Krätze, die nach einer äußeren Behandlung verschwand. Es folgte »Schweräthmigkeit«, Mangel an Appetit, und Geschwulst des ganzen Körpers.

Beurteilung:

In diesem Falle, so ähnlich wie bei den beiden vorhergehenden erkennen wir die Aktivierung der Tuberkulinie (Atem-Beschwerden), die Aktivierung der Sykose (Geschwulst des ganzen Körpers), aber auch Rest-Zustände der Psora (Appetit-Mangel).

Fall 4: Bearbeiten

Ein Student bekam Krätze, die er mit einer Schwefelsalbe vertrieb. Es folgte Engbrüstigkeit mit Erstickungsnähe. Der Auswurf knorpelartiger Stückchen, erleichterte kurz. Er litt zwei Jahre unausgesetzt unter diesen Beschwerden. Es war keinerlei Linderung möglich.

Beurteilung:

Neben der Tuberkulinie, die wir durch Engbrüstigkeit und ihrer Beziehung zu den Hohlorganen kennenlernten, wurde in diesem Beispiel die Sykose aktiviert. Die Sykose neigt zu festen Tumor-Bildungen, zu denen auch die knorpelartigen Stücke gehören. Ist die tuberkuline Reaktionsform relativ einfach zu behandeln, wenn der unterdrückende Reiz verschwindet, oder wir in der Lage sind ein entsprechendes Heilmittel zu finden, treffen diese Aussagen für die sykotische Fixierung nicht zu.

Ist die Tuberkulinie als Zwischenkrankheit und kurzfristige Fixierung der hyperaktiven Phase der Psora noch recht flüchtig, so gilt dies für die Sykose nicht mehr. Die Sykose hat die Neigung die Hyperaktivität der Psora in Tumorbildungen zu fixieren. Und diese körperliche manifeste Fixierung ist dafür verantwortlich, dass sie noch weniger einfach zur Psora zurückgleiten kann, als die Tuberkulinie, da sie sich als eigenständiges Miasma zu manifestieren beginnt. Somit gilt, dass für die sykotische Fixierung eine zusätzliche Behandlung notwendig ist, nämlich die Sykose aus ihrer Fixierung zu lösen. Dies geschieht durch die bekannten Sykotika.

Fall 16: Bearbeiten

Bei einem neunjährigen Mädchen wurde der Grind-Kopf (Psora) vertrieben. Es entstand ein langwieriges Fieber mit schwierigem Atem (Tuberkulinie) und allgemeine Geschwulst (Sykose). Als der Kopfgrind (Psora) wieder zum Vorschein kam genas das Mädchen wieder.

Fall 28: Bearbeiten

Ein Empyem (Tuberkulinie; Sykose) von einer, einige Jahre zuvor, besonders im März und April hervorgekommenen und durch äußere Mittel vertriebene Krätze (Psora)

Beurteilung:

Das Empyem, durch seine Hohlraumbildung, ist eigentlich ein tuberkulinisches Symptom. Dennoch kann die Art des Eiters den Wechsel in die sykotische Phase andeuten. So gehört der grüne Eiter zur Tuberkulinie, der festere gelbe Eiter zur Sykose. Somit ist hier die Art des Eiters ausschlaggebend für die miasmatische Einschätzung des Symptoms.

Fall 35: Bearbeiten

Krätze (Psora) wurde mit Quecksilbersalben vertrieben, worauf allgemeine Wassersucht (Sykose) folgte, die nur dadurch besser wurde, dass der Ausschlag (Psora) wieder auftrat.

Beurteilung:

Unterdrückung der Psora führt hier zur Sykotisierung der Erkrankung ohne tuberkuline Reaktionen. Die Quecksilbersalbe kann der Syphilinie zugeordnet werden, weshalb unter dieser Form der Therapie auch Todesfälle auftreten können, die durch die Aktivierung des syphilitischen Miasmas bedingt sind. (siehe hierzu auch den nächsten Abschnitt).

Fall 36:

Ein Knabe von 8-9 Jahren, bei dem kürzlich ein böser Kopf abgeheilet (vermutlich Psora) war, zeigte viele Drüsengeschwülste am Halse (Sykose), wovon ihm der Hals krumm und steif gezogen ward.

Beurteilung:

Auch das Lymphknoten- oder auch das Drüsensystem bietet Angriffspunkte für die Tuberkulinie und die Sykose. Die Sykose, die hier stark ausgebildete Schwellungen hervorruft und die Tuberkulinie durch ihre Affinität zu Hohlorganen, und auch endokrine Drüsen, bzw. Lymphknoten können dazu gezählt werden, so dass eine Lymphknotenschwellung am Hals schwer miasmatisch einzuordnen ist. Sogar die Syphilinie kann hier erschwerend hinzukommen, durch ihre besondere Beziehung zum Hals in Form des »Venushalsbandes«, einer typischen Ausprägung der Syphilis.

Fall 38: Bearbeiten

Ein 13 jähriges Mädchen befiel Krätze (Psora) besonders an den Gliedmaßen, im Gesichte und den Schamtheilen, welche endlich durch Zink- und Schwefelsalben vertrieben ward, worauf sie allmählich schwachsichtig wurde (Psora). Es schwebten ihr dunkle Körperchen vor dem Gesichte, die man auch von außen in der wäßrigen Feuchtigkeit der vordern Augenkammer schwimmen sah (Sykose) Zugleich konnte sie kleine Gegenstände, außer mit der Brille nicht erkennen (Psora). Die Pupillen waren erweitert (hyperaktive Psora).

Beurteilung:

Blindheit ist ein schwer einzuschätzendes Phänomen, denn es kann unterschiedliche Ursachen haben, über Zerstörung des Nervus opticus, Veränderungen der Netzhaut, bis hin zu Einlagerungen in Glaskörper oder Linse. Diese Einlagerungen entsprechen den Formen, der wir eine sykotische Belastung zuordnen können. Es handelt sich hierbei um ein ähnliches Ausfällungsphänomen wie bei der Bildung von gichtischen Knötchen, Nieren- oder Gallensteinen, alles sykotische Erscheinungsformen.

Fall 40: Bearbeiten

Ein Mann, dem die Krätze (Psora) von der Haut vertrieben worden, übrigens aber von kräftigem Körper war, bekam den grauen Star (Sykose).

Fall 41: Bearbeiten

Von äußerlich vertriebener Krätze (Psora) entstand Amaurose (Sykose), die als der Ausschlag wieder auf der Haut erschien (Psora), verging.

Fall 42: Bearbeiten

Ein kräftiger Mann, dem die Krätze (Psora) von der Haut verrieben worden, bekam den schwarzen Star (Sykose) und blieb blind bis in sein hohes Alter.

Fall 43: Bearbeiten

Schwarzer Star aus gleicher Ursache, mit ungeheuren Kopfschmerzen.

Fall 46: Bearbeiten

Es entstand von vertriebener Krätze das heftigste Bauchweh (Tuberkulinie), Schmerz in der linken Unterribbengegend, Unruhe, Schleichfieber, Beängstigung und hartnäckig verschlossener Leib (Sykose).

Beurteilung:

Auf die Frage ob Verstopfung generell ein sykotisches Symptom ist, lässt sich nicht leicht eine Antwort geben. Natürlich hat die Verstopfung sykotische Elemente, denn es ist zu viel Stuhl im Darm, der nicht abgesetzt wird, oft auch bedingt durch eine gesteigerte Rückresorption von Wasser im Dickdarm. Dennoch können aber auch Paralysen, Parasiten und andere Phänomene für die Verstopfung verantwortlich sein. Auch die Erschöpfungsphase der Psora, ruft eine Obstipation hervor, die ihre Ur-Sache in einer Trägheit des Darmes hat, der seine Funktion allmählich einstellt, weil die körperliche Kraft nicht mehr ausreicht. Die sykotische Verstopfung ist dagegen mit einer Hypraktivität des Darmes gekoppelt. Dass es sich in diesem Falle um eine sykotische Verstopfung handeln könnte, kann daher nur eine Vermutung sein.

Fall 60: Bearbeiten

Zwei Jünglinge, Brüder, vertrieben sich die Krätze (Psora) mit einem und demselben Mitttel, aber sie verloren allen Appetit (Erschöpfungsphase der Psora), bekamen trockenen Husten (Tuberkulinie) und schleichendes Fieber (akive Phase der Psora), magerten ab (Tuberkulinie, Erschöpfungsphase der Psora) und verfielen in Schlummerbetäubung (Sykose), so daß sie hätten sterben müssen (Syphilinie), wenn nicht glücklicherweise der Ausschlag wieder auf der Haut zum Vorscheine gekommen wäre.

Beurteilung:

Viele Elemente verschiedener Miasmen lassen sich an diesem Fall erkennen. Die Unterdrückung, der Appetitverlust, der am ehesten der Erschöpfungphase der Psora gleichkommt, die Aktivierung, erkennbar am Fieber, der Übergang in die Tuberkulinie durch den bekannten trockenen Husten, die Abmagerung, die sowohl ihren Grund im gesteigerten Ruhe-Umsatz der Tuberkulinie haben kann, als auch in der Einstellung jeglicher Verdauung in der Erschöpfungsphase der Psora, und letztlich die Ausbildung der Schlummersucht, und der drohende Tod.

Die Schlummersucht kann mit der sykotischen Ebene in Verbindung gebracht werden, da in die Sykose zur Ausbildung von Täuschungs-Krankheiten neigt, die auch in gewissem Sinne mit Realtiätsflucht und Aufbau einer Ersatzwelt zu tun haben. »Flucht in den Traum«. So könnten wir vermuten, dass in der Schlummersucht die sykotische Ebene aktiviert wurde, und bei Fortbestehen des Unterdrückungsreizes nun zur Syphilinie, der Zerstörungskrankheit drängt.

Doch auch eine andere Beurteilung wäre möglich.

Bei dieser Beurteilung des Falles sind die Symptome, die entstehen eher ein Ausdruck der Erschöpfungskrankheit, die sich zur Syphilinie steigern kann, wobei hier die Schlummersucht eher dem massiven Erschöpfungszustand zugeschrieben wird, der den Organismus in eine Art Koma gleiten lässt.

Welche Interpretation die richtige ist, sollte durch eine sorgfältige Analyse anderer Symptome und Gegebenheiten geklärt werden, da in beiden Fällen die Therapie unterschiedlich sein müsste.

Ein Anteil an diesem Krankheitsgeschen ist die Spiegelbeziehung zwischen Tuberkulinie und Syphilinie, die zwar in ihrer Symptomatik in betimmten Bereichen sehr viele Ähnlichkeiten haben, jedoch nicht geeignet sind, gegenseitig heilend zu wirken. Eher ist es so, dass die aktivierte Tuberkulinie, die Syphilinie aktiviert, und umgekehrt. Sodass das Vorhandensein von Tuberkulinie und Syphilinie gleichzeitig, einer therapeutische Pattsituation gleichkommt, die sehr schwer zu lösen ist.

Fall 76: Bearbeiten

Bei einer 36 jährigen Frau, die sich vor einigen Jahren die Krätze (Psora) mit Quecksilbermitteln (syphilitische Therapie) hatte von der Haut vertreiben lassen, war die Monatszeit lange ungeregelt (Psora) und fehlte oft 10 bis 15 Wochen (Psora), dabei war sie immer hartleibig (Psora; Sykose). Vor 4 Jahren ward sie in der Schwangerschaft von Schwindel befallen (Psora), sie fiel beim Stehen und Gehen plötzlich um. Sitzend blieb sie im Schwindel bei Besinnung und konnte sprechen, essen und trinken. Beim anfänglichen Anfall kam`s ihr zuerst in den linken Fuß wie ein Kriebeln und Ameisenkriechen (Hyperaktivierung), was dann in heftiges Auf- und Niederschlagen des Fußes ausartete (Hyperaktivierung; Tuberkulinie). Mit der Zeit benahmen die Anfälle auch die Besinnung und darauf bei einer Reise zu Wagen befiel sie eine wahre Fallsucht (Sykose), die den Winter darauf dreimal wiederkehrte. Dabei konnte sie nicht reden; sie schlug zwar die Daumen nicht ein, aber es trat doch Schaum vor den Mund. Die Empfindung des Ameisenkriechens im linken Fuß verkündigte den Anfall, welches bis in die Herzgrube gelangt, plötzlich den Ausbruch bewirkte. Diese Fallsucht ward von einer Frau mit 5 Pulvern vertrieben, aber dagegen kam der Schwindel wieder zum Vorschein, jedoch in einem weit heftigern Grade als zuvor. Er fing auch mit Kriebeln im linken Fuß an, welches bis zum Herz stieg; dabei war eine große Ängstlichkeit und Furcht, als fiele sie von oben herab (Sykose) und indem sie so gefallen zu sein wähnt, verliert sie ebenfalls die Besinnung und Sprache (Sykose); dabei werden die Glieder krampfhaft bewegt (Tuberkulinie). Aber auch außer den Anfällen erregt die mindeste Berührung der Füße ihr einen höchst empfindlichen Schmerz wie Blutschwär. Dabei sind heftige Schmerzen und Hitze im Kopf und Gedächtnis -Verlust.

Beurteilung:

Die Krätze (Psora) wird durch eine Quecksilbersalbe (Syphilinie) unterdrückt. Quecksilber war lange Zeit das Hauptmittel für die Behandlung der Syphilis, homöopathisch betrachtet, gerade deswegen weil die Quecksilbererkrankung die größte Ähnlichkeit zur Syphilinie zeigt. Durch die Behandlung mit Mercurius kommt also ein syphilitisches Moment in dieses Krankheitsgeschehen. Wir wissen mittlerweile, dass die Syphilinie die Spitze des Erschöpfungspoles der Psora bildet, und wir wissen auch, dass sie als Spiegelmiasma der Tuberkulinie wirken kann. Somit sind die wahrscheinlichsten Reaktionen

• Aktivierung der Erschöpfungphase der Psora (als Ausheilung)

• Aktivierung der Tuberkulinie (als Spiegelreaktion)

Zunächst scheint jedoch nichts dergleichen zu geschehen, außer dass sich psorische Symptome zeigen, die schwer zugeordnet werden können. Erst nach einer gewissen Zeit scheint sich der Organismus zu aktivieren. Spürbar wird das durch Kribbelgefühle und Ameisenlaufen (Hyperaktivierung), das dann in Auf und Niederschlagen der Glieder mündet (Tuberkulinie), somit erfolgt eine Aktivierung des Organismus, und eine Fixierung im tuberkulinischen Miasma.

Doch auch das steigerte sich noch und mündete in einer Fallsucht, mit Sprach- und Besinnungsverlust. Die Schwierigkeit besteht nun diese Fallsucht miasmatisch einzuordnen.

Die Fallsucht bekam ihren Namen vom »plötzlichen Fallen« das oft bei einer epileptischen Erkrankung beobachtet werden konnte, wenn die Zuckungen sich des Körpers bemächtigten. Dieses Fallen könnte in die Psora eingeordnet werden, da es mit einem Mangelzustand in Verbindung gebracht werden könnte. Wir kennen auch die psorische Angst

»von einem hohen Ort zu fallen«,

doch erstaunlicherweise gruppiert sich hier die Symptomatik in ein Zustandsbild, das sykotisch zu sein scheint, da viele Elemente der Sykose gleichermaßen angesprochen werden, denn die Furcht und Ängstlichkeit von oben herab zu fallen kann hinweisend für die Empfindung sein,

»auf einem überhöhten Ort zu stehen«.

Dieser Hohe, oder überhöhte Ort entspricht einer Wart(s)e sozusagen, die uns einen Überblick verschafft, aber uns auch künstlich erhöht. Ist die Ebene zu hoch, auf der wir uns befinden, so sind wir über-höht worden, oder haben uns selber über-höht, ein sehr sykotisches Problem.

Diese Über-Höhung, oder Selbst-Über-Höhung ist vom Fall in die Tiefe bedroht, wie wir leicht einsehen können, weshalb diese Angst als sykotisch eingestuft werden kann, wie sie auch in den Träumen von Thuja eines unserer Haupt-Anti-Sykotika zum Ausdruck kommt.

Nachtschlaf voller Träumereien und Aufschrecken. Ängstliche Träume, besonders von toten Personen; vom Fallen; von Unfällen. Träumt davon aus der Höhe herunterzufallen.

Es gibt eine Geschichte des alten Testamentes, die das sykotische Drama sehr deutlich zum Ausdruck bringt, die Geschichte des Turmbaus zu Babel. Auch hier versucht sich der Mensch aus Angst selbst zu erhöhen. Er baut einen Turm um Gott gleichzukommen und wird durch den Verlust der gemeinsamen Sprache, und der gemeinsamen Idee bestraft. Der Turmbau verliert seinen Sinn, die Menschen machen sich »vom Acker« und verlaufen sich in einer sinnloseren Welt, ähnlich wie unsere Patientin,

»... dabei war eine große Ängstlichkeit und Furcht, als fiele sie von oben herab (Sykose) und indem sie so gefallen zu sein wähnt, verliert sie ebenfalls die Besinnung und Sprache (Sykose);...«

Auch die anderen Symptome, die Schmerzempfindlichkeit (hyperaktive Psora), die Hitze im Kopf (hyperaktive Psora) und der Gedächtnis-Verlust (Sykose) sprechen die Sprache der hyperaktiven Psora, bzw. der Sykose. Zu einer Heilung kam es nicht.

Fall 97: Bearbeiten

Ein fünfzigjähriger Mann, bei welchem nach Vertreibung der Krätze (Psora) durch Salben, allgemeine Wassersucht (Sykose) entstand, verfiel, als die Krätze wieder erschienen und so die Geschwulst verschwunden war, auf ein nochmaliges Krätze-Vertreiben durch Einschmieren plötzlich eine völlig tobende Raserei (Hyperaktivität; Tuberkulinie; Sykose), wobei Kopf und Hals bis zum Ersticken aufgetrieben ward (Sykose; beg. Syphilinie); zuletzt kam noch völlige Blindheit (Sykose; Syphilinie) und gänzliche Harnverhaltung (Sykose) hinzu. Auf künstliche Hautreize (Miasmenbahnung) und ein starkes Brechmittel erschien der Krätz-Ausschlag wieder und die Zufälle verschwanden alle, nachdem sich der Ausschlag über den ganzen Körper verbreitet hatte.

Beurteilung:

Was an diesem Fall bemerkenswert ist, ist, dass eine Heilung, oder genauer gesagt eine Verlagerung auf die psorische Ebene zwei Mal gelungen ist. Normalerweise findet mit jeder Unterdrückung eine stärkere Verschiebung in Richtung Syphilinie statt, was wir auch in dieser Fallgeschichte sehen können. Selten gelingt es diesen Prozess wieder rückgängig zu machen, was aber hier durch drastischen Maßnahmen und die Miasmenbahnung über hautreizende Stoffe gelungen ist.

Aktivierung der Syphilinie Bearbeiten

Fall 10: Bearbeiten

20 jähriger Jüngling. Krätze (Psora) wurde vertrieben, Brustbeklemmung (Tuberkulinie) trat auf, die zum Ersticken (Syphilinie) führte.

Beurteilung:

Viele der jetzt folgenden Fallverläufe haben ihren Anteil daran, dass die Tuberkulinie als Pseudo-Psora bekannt wurde, da sie in ihrem Verlauf vieles mit der syphilitischen Zerstörung gemein hat. Auch in diesem Fall führt die Unterdrückung zum Tod. Der Tod ist die maximale Zerstörung des menschlichen Organismus, und somit die stärkste Ausprägung der Zerstörungskrankheit, vor allem wenn der Tod kein natürlicher Prozess ist, wie in diesem Fall. Endet also eine Erkrankung rasch mit dem Tode, so können wir davon ausgehen, dass syphilitische Elemente mit im Spiel sind.

Wir wissen, dass die Tuberkulinie zu sykotischen Schwellungen überleiten kann, dann erfolgt die Aktivierung der Syphilinie über eine sykotische Phase, aber wir kennen ja auch die Spiegelreaktion der Tuberkulinie und der Syphilinie, die unter Ausschaltung der Sykose zum Tode führen kann.

Fall 11: Bearbeiten

19 jähriger Jüngling mit feuchter Flechte (Psora). Durch äußerliche Mittel vertrieben. Darauf entstand eine periodische Engbrüstigkeit (Tuberkulinie). Durch Sommerhitze und Wanderung nahm sie bis zur Erstickung zu. Mit aufgetriebenem (Sykose), blaurotem Gesicht und schnellem (tuberkulinisch), schwachem (Erschöpfungsphase der Psora), ungleichmäßigem Puls (Wechsel zwischen Aktivität und Erschöpfung).

Beurteilung:

Betrachtet man tödlich endende Unterdrückungsfälle, so ist zunächst einmal verwunderlich, dass der Organismus diese tödliche Reaktion überhaupt zulässt. Wir kennen solche Reaktionsformen von der Syphilis maligna, die innerhalb kurzer Zeit zum Tode führt, ohne dass ein Erregernachweis erfolgen kann. Man glaubt, dass in solchen Fällen das Immunsystem so stark geschädigt ist, dass eine Abwehrreaktion nicht mehr möglich ist.

Betrachten wir das Phänomen der Syphilis generell, so erkennen wir, dass jede zerstörerische syphilitische Reaktion mit einer sykotischen Kompensation gepaart ist, nur bei der Syphilis maligna bleibt diese aus.

Der Primär-AffektPrimäraffekt der Syphilis ist nicht so sehr auffälltig durch das Ulcus, das zerstörerische Geschwür, das relativ klein sein kann, sondern durch die sykotische Schwellung, den Bubo.

Findet jedoch keine oder kaum eine sykotische Reaktion statt, scheint der Organismus der Syphilis in stärkster Weise anheimzufallen. So scheint die Sykose die Zerstörungskraft der Syphilis zu bremsen, eine Tatsache, der wir bei der Besprechung der Krebserkrankung noch begegnen werden. Nicht nur scheint eine fehlende sykotische Reaktion den syphilitischen Prozess zu beschleunigen, ganz im Gegenteil scheint eine tuberkulinische Reaktion in der Lage zu sein eine syphilitische »anzuheizen«, eine Tatsache, die zum Begriff des »Spiegelmiasmas« geführt hat.

Eine fehlende sykotische Reaktion bei aktivierter Tuberkulinie, und möglicherweise vorhandener syphilitischer Belastung, ist oft und in schnellster Weise tödlich, wie wir nicht nur in diesem Fall, sondern auch im nächsten sehen können.

Im oben beschriebenen Beispiel kommt als Variation unserer Grundmuster, noch die Aktivierung der Erschöpfungsphase der Psora hinzu, die dem Krankheitsverlauf ihre persönliche Note gibt.

Fall 12: Bearbeiten

Plötzliche Brustbeklemmung (Tuberkulinie) von vertriebener Krätze (Psora). Der Patient erstickte (Syphilinie).

Fall 15: Bearbeiten

Ein Mädchen aus Bologna behandelte ihre Krätze mit einer Salbe. Sie bekam Atemnot ohne Fieber. Nach zweimaligem Aderlass sanken ihre Kräfte dermaßen, und die Engbrüstigkeit nahm so zu, dass sie tags darauf starb. Die ganze Brust strotzte »voll bläulichtem Wasser«, so wie auch der Herzbeutel.

Beurteilung:

Die Beurteilung dieses Falles ist sehr schwierig, weil viele Komponenten berücksichtigt werden müssen, und einen hohen Anspruch an ein neues Miasmenverständnis stellt. Der Beginn der Erkrankung sollte jedoch klar sein.

Die Unterdrückung der Krätze (Psora) aktiviert die Tuberkulinie (Atemnot).

Das was danach passiert ist nicht mehr so einfach zu verstehen, es folgt nämlich ein therapeutisch gedachter Eingriff, der zweimalige Aderlass. Der Blutverlust durch den Aderlass verstärkt den psorischen Mangel, was auch später nach der Obduktion am bläulichem Wasser (blau die Farbe der Psora), erkennbar wird.

Der Akt des Aderlassens selber kann heilend auf die Tuberkulinie wirken, wie wir bereits gehört haben, hier jedoch führt er zu einer starken Schwächung des Organismus, und damit zur Aktivierung der Erschöpfungsseite der Psora. Diese wiederum kann in der Syphilinie münden, die noch zusätzlich durch den zerstörerischen Impuls der Blutentnahme aktiviert wird. Durch diese Vernetzung aktiviert sich wieder die Spiegelbeziehung zwischen Tuberkulinie und Syphilinie (in diesem Fall ist die Syphilinie das Spiegelmiasma der Tuberkulinie), die die Tuberkulinie stärker aktiviert, was wiederum zu einer stärkeren Aktivierung der Syphilis (Spiegelbeziehung) und zum Tode führt.

Die Beziehung der Spiegelmiasmen ist therapeutisch von großer Wichtigkeit, weil sich hier im Kleinen »Teufelskreise« aufbauen, aus denen der Organismus nicht ohne Hilfe herausfindet. Diese Form der Teufelskreis-Bildung, in die alle Miasmen eingeschlossen werden können, was als Miasmenkreislauf bekannt wurde und der in der psorischen Phase im Kleinen in den verschiedenen Dynamiken der Psora abläuft, ist hier in seiner minimalst denkbaren Form vorhanden.

Brauchten die Miasmen- oder Phasen-Kreisläufe der Psora noch drei Komponenten, so benötigen die minimalen aber um so gefährlicheren Spiegel-Kreisläufe scheinbar nur zwei Miasmenkomponenten, die dritte Kraft wirkt hier sehr versteckt als »Spiegelkraft«, und nicht mehr als »ausbalancierende Kraft«.

Die Durchbrechung der Spiegelkreisläufe erfordert höchstes therapeutisches Können, und sollte von Anfängern unter keinen Umständen versucht werden, da sie zumeist die Spiegelbeziehungen eher aktivieren, als unterbrechen !

Fall 17: Bearbeiten

Ein 46 jähriger Mann vertrieb mit einer Schwefelsalbe die Krätze (Psora) unter der er litt. Daraufhin bekam er eine Brustentzündung mit blutigem Auswurf (Tuberkulinie). Er litt unter Atemnot und großer Bangigkeit. Bald wurden Hitze und Angst unerträglich, und die Brustschmerzen wurden immer stärker, bis es zum Schweißausbruch kam und nach 14 Tagen die Krätze wieder aufbrach. Es ging ihm besser, bis die Krätze wieder eintrocknete und er am 13. Tage nach dem Rückfall starb (Syphilinie).

Beurteilung:

Jedes Miasma hat miasmentypische Ängste. So sind

psorische Ängste durch den psorischen Mangel bestimmt und zumeist auf die Zukunft gerichtet. Z.B. Angst etwas nicht zu schaffen, Prüfungsängste usw.

sykotische Ängste haben mehr mit den Exzessen und der Überschussreaktion der Sykose zu tun und mit verdrängten Inhalten der Vergangenheit, z.B. Angst seine Position nicht halten zu können, Angst sich zu blamieren, Angst zu fallen usw.

syphilitische Ängste sind betont durch die Zerstörungskraft der Syphilis, es sind im Allgemeinen Todesängste.

In dem dargestellten Fall wurden »Hitze und Angst fast unerträglich«, die enorme Steigerung der Wärme, eine überschießende Reaktion, die der Sykose zugeordnet werden sollte ist gepaart mit einer unerträglichen Angst, die syphilitischen Charakter hat.

Auch die Blutungen können bereits eine Gewebezerstörung andeuten. Zwar ist die Blutung eine der Heilungsmöglichkeiten für die Tuberkulinie, jedoch mag auch hier schon eine syphilitische Aktivierung stattgefunden haben, die so ohne weiteres nicht erkannt werden kann.

Die versteckte syphilitische Aktivierung ist meiner Meinung nach dafür verantwortlich, dass es zum tödlichen Rückfall gekommen ist, obwohl sich die Tuberkulinie ausheilen wollte.

Fall 18: Bearbeiten

Ein hagerer Mann starb nach vertriebener Krätze an Brustentzündung und anderen Übeln den zwanzigsten Tag.

Fall 19: Bearbeiten

Ein siebenjähriger Knabe, dem Grindkopf und Krätze von der Haut trocknete, starb binnen 4 Tagen an einem hitzigen Fieber mit feuchter Engbrüstigkeit (Sykose-Tuberkulinie).

Fall 20: Bearbeiten

Ein Jüngling, der sich die Krätze mit Bleisalbe vertrieb, starb 4 Tage darauf an einer Brustkrankheit.

Fall 21: Bearbeiten

Allgemeine Wassersucht (Sykose) besserte sich durch Auftreten von Krätze (Psora). Eine Erkältung unterdrückte diese und führte unter Seitenstechen (Tuberkulinie) binnen drei Tagen zum Tod (Syphilis).

Fall 23: Bearbeiten

Einem 36 jährigen Manne war die Krätze (Psora) vor 16 Monaten durch eine Blei- und Quecksilbersalbe (Syphilis) vertrieben worden, und er litt seitdem an einem mit großer Ängstlichkeit (Psora?;Syphilis?) verbundenen heftigen Krampfhusten (Tuberkulinie).

Fall 24: Bearbeiten

Ein Jüngling von 18 Jahren hatte die Krätze, die er endlich durch ein schwärzlichtes Waschwasser (Syphilinie ?) vertrieb. Einige Tage darauf bekam er Frost und Hitze (Psora), Mattigkeit, Herzensangst (Syphilis) Kopfweh, Übelkeit, heftigen Durst, Husten, beschwerliches Atemholen (Tuberkulinie); er hustete Blut aus (Tuberkulinie; Syphilinie?) fing an irre zu reden, das Gesicht ward todtenfarbig und eingefallen (Syphilinie), der Urin hochroth (Syphilinie), ohne Satz.

Fall 26: Bearbeiten

Von selbst von der Haut vergangene Krätze (Psora) hatte schleichendes Fieber und tödtlichen Eiterauswurf zur Folge; in der Leiche fand man die linke Lunge voller Eiter (Tuberkulinie; Sykose; Syphilinie).

Fall 27: Bearbeiten

Ein robust scheindender Candidat, der die nächsten Tage predigen sollte und sich deshalb von seiner alten Krätze (Psora) befreien wollte, bestrich sich den einen Morgen mit Krätzsalbe und binnen wenigen Stunden (Sykose)  war er unter Ängstlichkeiten (Syphilis), kurzem Athem (Tuberkulinie) und Stuhlzwang (Absonderung) gleich nach der Mittagszeit verschieden; die Leichenöffnung zeigte, daß die ganze Lunge von flüssigem Eiter (Syphilinie) angefüllt war.

Fall 29: Bearbeiten

Ein junger Mann, den der (brave Arzt und ) Prof. Krause beim Wiederausbruche der Krätze vom Gebrauche der Schwefelsalbe abmahnte, folgte nicht, sondern schmierte sich ein, worauf er an Leibesverstopfung (Sykose) starb (Syphilinie). In seiner Leiche fand man mehrere Eiterbälge (Sykose?) im Gekröse.

Fall 31: Bearbeiten

Ein kleiner Prinz von 2 Jahren hatte, da ihm der Kopfgrind (Psora) vertrieben war, nach seinem Tode viel blutiges Wasser (Tuberkulinie; Sykose; Syphilinie) unter der Hirnschale.

Fall 32: Bearbeiten

Bei einer Frau, die sich durch ein Waschwasser den Kopfgrind (Psora) vertrieben hatte, fand man nach dem Tode die eine Gehirnhälfte faulig (Syphilinie) und mit gelber Jauche (Sykose) gefüllt.

Fall 33: Bearbeiten

Ein vornehmer, cholerisch-sanguinischer Mann (Tuberkulinie; Sykose) mittleren Alters war mit podagrischen Leibschmerzen und Steinschmerzen (Sykose) geplagt. Nach Vertreibung des Podagra mit mancherlei Mitteln brach die Krätze (Psora) aus, die er durch ein austrocknendes Bad von Gerberlohe vertrieb, worauf ein Geschwür (Syphilinie) im Magen entstand und seinen Tod beschleunigte, wie die Öffnung seines Leichnams lehrte.

Beruteilung:

Dieser Fall ist insofern von Interesse, da er einen Zusammenhang zeigt, der sehr oft in der Praxis zu sehen ist. Hat eine Erkrankung eine bestimmte Stufe erreicht, hier ist es die tertiäre sykotische, und heilt sich diese Erkrankung über die Psora aus, und wird die Heilreaktion im Stadium der Ausheilung unterdrückt, so kommt es zu einer Verschlimmerung über die ur-sprünglich tiefste Krankheitsstufe hinaus. In diesem Fall geht die Erkrankung über die Sykose hinaus Richtung Syphilinie.

Die therapeutische Konsequenz aus dieser Beobachtung ist, niemals eine Heilreaktion zu unterdrücken, da das für den Organismus verheerende Konsequenzen nach sich zieht!

Fall 34: Bearbeiten

Ein Knabe von 7 Wochen und ein Jüngling von 18 Jahren starben von mit Schwefelsalbe vertriebner Krätze sehr plötzlich (Sykose; Syphilinie). Im Leichname des Erstern fand man den obern Theil des Magens, gleich unter dem Magenmunde, bei Letzterm aber den Theil des Zwölffingerdarms, worein sich der Gallengang und der Magendrüsengang öffnet, von kaltem Brande (Syphilinie) zerstört. - Eine ähnliche tödtliche Magenentzündung von vertriebner Krätze (Psora) bei einem Tagelöhner.

Fall 35: Bearbeiten

Ein Athenienser litt unter einem »heftigen, über den ganzen Körper und vorzüglich auf den Geschlechtstheilen verbreiteten, jückenden Ausschlag, dem Aussatze nicht unähnlich,«. Er vertrieb diesen Ausschlag durch den Gebrauch warmer Bäder auf der Insel Melos und verstarb an der darauffolgenden Wassersucht (Sykose/Syphilinie).

Beurteilung:

Die Inhaltsstoffe der ohne Frage unterdrückenden Bäder ist nicht bekannt, doch ist davon auszugehen, das Substanzen im Wasser vorhanden sind, die in der Lage waren das syphilitische Miasma, nach dem sykotischen zu aktivieren, das dann zum Tode führte.

Fall 37: Bearbeiten

Ein 14 jähriger Jüngling hatte die Krätze (Psora) im Juni 1761. Er rieb sich eine graue Salbe ein und davon verging die Krätze. Darauf bekam er geschwollene Drüsen (Sykose) hinter beiden Ohren, wovon die linke von selbst verging, die rechte aber in 5 Monaten ungeheuer groß ward und gegen den August zu schmerzen anfing (syphilitische Aktivierung ?). Alle Halsdrüsen waren geschwollen (Sykose). Von außen war die große hartknotig und unempfindlich, inwendig aber war ein stumpfer Schmerz; besonders nachts (Syphilinie); dabei litt er an Schweräthmigkeit (Tuberkulinie) und verhindertem Schlingen. Alle Mittel, sie in Eiterung zu setzen, waren vergeblich; sie ward so groß, daß der Kranke im Jänner 1792 daran erstickte.

Beurteilung:

Wieder eine sehr komplizierte Geschichte, die von mehreren miasmatischen Aktivitäten durchdrungen wird. Zunächst einmal haben wir das Element der psorischen Unterdrückung, wie in allen andern Fällen zuvor. Die »graue Salbe« ist von ihren Bestandteilen her nicht zu beurteilen, aber es mag sein, das syphilitisch wirksame Stoffe in ihr aktiv waren. Zunächst kam es jedoch zu einer sykotischen Reaktion in Form der Lymhknotenschwellungen. Doch zu einer Ausheilung, oder zumindest zum Krankheitsstop kam es nur auf der linken Seite, nicht aber auf der von der Leber dominierten rechten Seite.

Dass die Lymphknoten auf der rechten Seite ungehindert weiteranschwollen zeigt die Aktivierung des syphilitischen Miasmas, unterstützt wahrscheinlich durch eine schwache Leberfunktion, oder einer durch die graue Salbe geschwächte Leber. Wie auch immer es kam nicht zu einem Stop der Anschwellung, ganz im Gegenteil, es begann sich sogar der Lymhknoten zu verändern. Er zeigte Schmerzen in seinem Inneren, die wahrscheinlich mit der syphilitischen Aktivität im Inneren des Lymphknoten zu tun hat. Von diesem Moment an verlässt der geschwollene Lymphknoten bereits die Gutartigkeit und wird bösartig. Es ist eine Erkrankung entstanden, die wir Krebs nennen würden. Die ungebremste sykotische Wachstumstendenz zeigt die Aktivierung der Sykose, die Schmerzen mit ihrer nächtlichen Verschlimmerung die typischen Zeichen der syphilitischen Erkrankung. Gleichzeitig wird noch die Schweräthmigkeit der Tuberkulinie betont.

Tuberkulinie und Krebs - ein Exkurs Bearbeiten

Vielleicht ist dies der Ort ein paar Worte über die Beziehung von Tuberkulinie und der Erkrankung Krebs zu verlieren, da unsere homöopathischen Lehrer immer wieder betonten, dass eine Krebserkrankung auf tuberkulinischer Basis erwächst.

Die Tuberkulinie wurde als »Pseudopsora« zwischen die Syphilinie und die Psora gestellt. Wenn wir den Fallverläufen folgen ist diese Aussage nur zum Teil richtig.

Die Tuberkulinie scheint vielmehr eine Steigerung der hyperaktiven Form der Psora zu sein, und nimmt eine Zwischenstellung zwischen der fixierten Form der hyperaktiven Psora nämlich der Sykose und der hyperaktiven Form der Psora selbst, die noch im funktionellen Schwankungsbereich bleibt, ein.

Aus diesem Grunde kann die Tuberkulinie zwei Aufgaben erfüllen, sie kann als

• Brückenerkrankung zum Aufbau der Sykose dienen, oder als

• Brückenerkrankung für die Heilung der Sykose.

Welche Funktion die Tuberkulinie einnimmt hängt von der Tiefe der miasmatischen Belastung ab.

Weiterhin ist die Tuberkulinie durch ihre Symptomatik der Syphilinie so ähnlich, dass Resonanzphänomene das syphilitische Miasma aktivieren können, sobald sich die Tuberkulinie aktiviert hat, oder zur Aktivierung gedrängt wird. Auch hier gibt es zwei Aspekte zu bedenken,

• die Tuberkulinie aktiviert die Syphilinie durch ihre Ähnlichkeit, kann aber gleichzeitig

• kein Heilungsmedium durch ihre Ähnlichkeit für die Syphilinie sein.

Durch diese Beziehung ist verständlich, dass die Tuberkulinie als »Pseudopsora« der Psoro-Syphilis zugeordnet wurde.

Die Beziehung zur Krebskrankheit ergibt sich nun aus diesen Zusammenhängen, und der Schlüsselstellung der Tuberkulinie in unserem System. Kommt es nämlich zu einer Unterdrückung der Psora, so beginnen Reaktionen in unserem Organisusm, diese Unterdrückung abzuwenden, je nach Reaktionslage des Organismus. Am Typischsten ist, dass die bereits aktivierte Psora hyperaktiv wird, und die Hyperaktivität der Psora tuberkulinische Symptome folgen lässt. Eine konstante Hyperaktivität der Tuberkulinie zieht nun sykotische Symptome nach sich, eine konstante Hyperaktivität der Sykose würde syphilitische Reaktionen nach sich ziehen, die zur Zerstörung des Organismus führen würden.

Doch die Ähnlichkeit der Tuberkulinie mit der Syphilinie bringt eine Nebenreaktion ins Spiel, die fatale Folgen haben kann. Hat der Organismus ein tuberkulinisches Krankheitsmuster erreicht, so aktiviert sich nicht nur die Sykose als Weiterentwicklung der hyperaktiven Phase der Psora, sondern es kommt wegen der Resonanz zwischen Tuberkulinie und Syphilinie gleichzeitig zu einer syphilitischen Aktivierung, wenn ein latentes syphilitisches Krankheitsmuster vorhanden ist, oder durch die Behandlung (Schwermetallsalben u.ä.) in den Organismus imprägniert wurde. Diese gleichzeitige Aktivierung von Sykose und Syphilinie lässt eine Krebserkrankung wahrscheinlich werden, da die Krebserkrankung aus der Verschmelzung beider Miasmen an einem Ort entsteht.

So ist die Entstehung eine Krebserkrankung aus der Tuberkulinie leicht vorstellbar durch die gleichzeitige Aktivierung von Sykose und Syphilinie. Ähnlich kann eine Krebserkrankung aus der anderen »Pseudo-Psora«, der Parasitose folgen, die aus der Erschöpfungsphase der Psora resultiert, und zur Syphilinie weiterleitet. Auch sie kann über Spiegelreaktionen die Sykose aktivieren, und sich gleichzeitig weiter Richtung Syphilinie verschlimmern. Auch hier liegen beide Miasmen in gleichzeitiger Aktivität vor, so dass eine Krebserkrankung möglich wird.

Fall 39: Bearbeiten

Ein Mädchen hatte einen starken Krätz-Ausschlag (Psora) an den Beinen mit großen Geschwüren (Syphilinie) in der Kniekehle. Die hinzugekommenen Menschenpocken (Sykose) unterdrückten ihn. Darauf enstand eine zweijährige, feuchte Entzündung des Augenweißes und der Augenlider (Sykose) mit Jücken (Psora) und Verschwärung (Syphilinie) derselben, und der Empfindung dunkler, vor den Augen schwebender Körper (Sykose). Sie zog darauf drei Tage lang wollene Strümpfe von einem krätzigen Kinde (psorische Aktivierung) an. Am letzten Tage brach ein Fieber (Hyperaktivität) aus, mit trocknem Husten und Spannung in der Brust (Tuberkulinie) mit Brecherlichkeit. Tags darauf nahm das Fieber und die Brustbeschwerde ab unter Entstehung von Schweiß (Ausscheidungsphase), bei dessen Zunahme ein Rothlauf (Hyperaktivität) an beiden Unterschenkeln entstand, der den Tag darauf in wirkliche Krätze (Krätze) überging. Die Augen wurden besser.

Beurteilung:

In diesem Fallbeispiel zeigen sich wunderbare und einzigartige Heilungsprizipien eines Kindes, das nicht nur psorisch, sondern auch syphilitisch belastet, von der Sykose infiziert wurde. Dieser Fall ist so wichtig, dass ich ihn gerne in allen Einzelheiten besprechen möchte.

1. Der Krätz-Ausschlag des Kindes, ist nicht nur psorischer Natur, sondern an den Geschwüren erkennbar, zeigt er zerstörerische, syphilitische Anteile. Im Exkurs über die Tuberkulinie und der Krebserkrankung deutete ich an, dass eine fortschreitende Aktivierung des sykotischen Miasmas schlussendlich im syphilitischen Miasma endet, umgekehrt verläuft die Heilung. Die Syphilinie heilt sich nicht nur über parasitäre Erkrankungen aus, die Abkürzung Richtung Psora, sondern auch über die Sykose. Somit bedeutet eine sykotische Aktivierung für das syphilitische Miasma eine Heilungschance. Betrachten wir die Symptomatik am Auge des Mädchens so erkennen wir auch das Nebeneinander der drei Haupmiasmen Syphilinie, Sykose und Psora an der Verschwärung, den dunklen Punkten, der Absonderung und dem Jucken.

2. Dann folgt ein sehr geschickter Schachzug, nämlich die Aktivierung der Psora durch die Strümpfe eines krätzekranken Kindes. Wie ein Ventil bringt die Aktivierung der Psora, die sich im Fieber äußert, tuberkulinische Reaktionen auf den Plan (trockner Husten, Spannung in der Brust, Brecherlichkeit), die zwischen den syphilitisch-sykotisch-psorischen Reaktionen des Auges zwischengeschaltet sind, um dann über das Auftreten psorischer Sympome auf die Haut übertragen zu werden.

Interessant hierbei ist, dass das Auftreten der tuberkulinischen Symptomatik nicht zu einer Aktivierung der Syphilinie führt. Der Grund hierfür ist meines Erachtens nach die Heilung der Syphilinie über die sykotische Aktivierung mit Menschenpocken, so dass nur noch die sykotische Symptomatik über die Tuberkulinie in Richung Psora geführt werden musste um ein Heilung herbeizuführen.

Interessant ist an diesem Fall auch der ungewöhnliche Heilungsprozess über die Aktivierung eines Heilungsmiasmas zur Heilung zu gelangen. So kann die Syphilinie sich über Aktivierung der Sykose oder der parasitären Krankheiten ausheilen, die Sykose über Aktivierung der Tuberkulinie, und die Tuberkulinie über Aktivierung der Psora.

Dieses Verfahren kann auch gezielt zur Heilung eingesetzt werden, jedoch wird hierbei nicht nach einem Arzneimittel gesucht, das der Symptomatik des aktiven Miasmas entspricht, sondern nach einem Arzneimittel, das der Symptomatik des zu aktivierenden Miasmas homöopathisch ist. Diese Vorgehen bahnt einen Heilungsweg, den der Organismus beschreiten kann, beeinflusst jedoch nicht auf direkte Weise die Symptomatik des aktiven Miasmas.

Um auf diese Weise zu verfahren ist es notwendig die Wege der Krankheiten im speziellen Organismus genau zu kennen. Es ist zum Beispiel notwendig zu wissen, ob sich das spyhilitische Miasma üder die Sykose oder die parasitären Erkrankungen ausheilt. Auch die Zusammenhänge der Miasmen zu kennen ist sehr wichtig, da ansonsten sehr schnell Fehlinterpretationen möglich sind. Wiederum ist dieses Verfahren demnach nicht den Anfängern der homöopathischen Kunst zu empfehlen.

Genaue Kenntnis der Krankheitsentwicklung ist ebenso notwendig, da der Organismus durch künstlich erzeugte Krankheiten zur Heilung geleitet werden soll, wie ein Blinder aus einem Labyrinth. Dazu ist es notwendig an wichtigen Schaltstellen Fackeln aufzustellen, die der Organismus bereits kennt, da er ansonsten nicht die Bereitschaft zeigt die vorgezeichneten Wege zu gehen.

Heilung über diese Form der Therapie zu erreichen, die Miasmenbahnung genannt wurde, ist besonders in den Fällen notwendig, in denen miasmatische Verstrickungen mit den Spiegelmiasmen so intensiv sind, dass sie über Aktivierung des einen bzw. andern Spiegelmiasmas nur zu Verschlechterungen führt, nicht aber zu Besserungen.

Auch in den Fällen in denen die direkte Stimulierung eines Miasmas zum Miasmensplitting führt ist diese Technik der Therapie sehr hilfreich. (Miasmensplitting taucht zum Beispiel bei der Therapie der Tuberkulinie auf, die nach der direkten Stimulation sich in sykotische und psorische Elemente aufspaltet, aber nicht ausheilt).

Fall 47: Bearbeiten

Ein junger Bauer der unter Krätze (Psora) litt, vertrieb sie mit einer Salbe. Darauf litt er unter Harnunterdrückung, Erbrechen und zuweilen an einem Schmerz der linken Lende. Er hatte einige Male Urinabgang, jedoch wenig, sehr dunkelfarben (Sykose) und unter Schmerzen. Ihn durch einen Katheter auszuleeren gelang nicht. Zuletzt schwoll ihm der ganze Körper (Sykose); es trat schwieriges langsames Atmen hinzu und der starb gegen den 21sten Tag nach Unterdrückung der Krätze (Syphilinie). Die Harnblase enthielt zwei Pfund eben so dunklen Harn, die Bauchhöhle enthielt Wasser, was einige Zeit ins Feuer gehalten, zu einer Art Eiweiß (Sykose) sich verdickte.

Beurteilung:

An diesem Beispiel lässt sich gut die Beziehung von Psora und Sykose erklären. Die Beziehung zwischen Mangel und Überschuss. Wir erkennen leicht wie die Balance gestört werden kann, und ein Ausscheidungsmangel einen Wasser- und Urinüberschuss produziert. Ein zugrundeliegender Mangel, lässt die Sykose aktiv werden. Nicht immer ist das Beispiel so einfach, oder einleuchtend, hier bedarf es nur eines Perspektiven-Wechsels von außen, nach innen, um vom äußerlichen Mangel zur inneren Sykose zu gelangen. Nicht immer ist der Wechsel von Psora zur Sykose rein durch einen Perspektivenwechsel zu erreichen, dennoch besteht immer eine enge Beziehung zwischen Psora und Sykose, so wie eine enge Beziehung zwischen Sykose und Syphilinie besteht. So wie oft ein Zu-Viel des Mangels sykotische Störungen hervorrufen, ruft Zu-Viel an Sykose die Syphilis auf den Plan. Gelingt einmal dieses dynamische Modell im geistigen Bestand zu integrieren, so sind viele körperliche Reaktionen einfacher erkennbar, in ihrer Dynamik von Mangel und Übermaß zur Verkehrung.

Nicht mehr als diese drei Reaktionen brauchen wir zu kennen, um Krankheiten von ihrer Dynamik her einschätzen zu können.

So ist eine zerstörerische Erkrankung auf der Haut keine psorische Erkrankung sondern eine syphilitische, Papeln und Warzen sprechen die sykotische Sprache, und Trockenheit und Brennen die Sprache der Psora. Mischtypen gehören zu den gemischten Miasmen.

Somit ist auch die Aussage in miasmatischen Dimensionen gedacht dass das Verschwinden von der Haut und auftauchen in der Tiefe immer gleichbedeutend mit Unterdrückung ist, falsch, wenn sich dabei die miasmatischen Dimensionen verändern. So ist eine syphilitische Erkrankung miasmatisch betrachtet ernster zu nehmen, als ein sykotisches Rheuma, oder eine tuberkulinische Bronchitits. Zuletzt, wenn die Psora aktiv ist, landet schließlich alles auf der Haut, aber im Heilungsverlauf selbst kann eine Erkrankung von der Oberfläche verschwinden ohne gleich unterdrückt genannt werden zu können, wenn die innere Erkrankung zu einem günstigeren Miasma gehört.

Die einseitige Betrachtungsweise über Unterdrückungen, die sich in der Homöopathie breitgemacht hat, verursacht viele Fehlverschreibungen, die Heilungsreaktionen auf ungünstige Weise modifizieren, und in diesem labilen Gessundheitszustand oft Fall-Verwirrungen hervorrufen, die nur durch sorgfältigste Analyse und Verschreibung wieder geklärt werden kann.

Beachten sie daher bei der Betrachung der Symptomatik auch die miasmatische Seite der Erkrankung/Heilung.

Fall 48: Bearbeiten

Ein Mann rieb sich gegen seine Krätze (Psora) eine Mercurialsalbe ein, worauf er eine rothlaufartige Entzündung am Nacken bekam, woran er nach 5 Wochen sterben (Syphilinie) musste.

Beurteilung:

Warum es in diesem Fall zu einem Exitus letalis kam, ist zunächst nicht zu verstehen, denn der Rotlauf, der der Unterdrückung der Krätze folgte, ist zunächst der hyperaktiven Form der Psora zuzurechnen. Der hyperaktiven Form der Psora kann sich die Tuberkulinie anschließen, was hier scheinbar nicht erfolgte, stattdessen erfolgte der Tod. Das heißt auf irgendeine Weise muss die Syphilinie, die Zerstörungsskrankheit angesprochen worden sein, und das geschah wahrscheinlich durch die Mercurialsalbe, bei der bedacht werden sollte, dass Mercurius solubilis, Quecksilber, das Antisyphiliticum in der Homöopathie ist, weil sein Arzneibild der syphilitischen Erkrankung so ähnlich ist. Hier findet also die syphilitische Stimulation über die Salbe statt, und eine tödliche Kreuzreaktion mit dem Spiegelmiasma Tuberkulinie ist möglich, wenn wir die hyperaktive Form der Psora weiter zur Tuberkulinie entwickelt denken. Ähnlich zu beurteilen ist der nächste Fall.

Fall 49: Bearbeiten

Eine Frau bekam, nach dem Gebrauch einer Merkurialsalbe (Syphilinie) gegen die Krätze (Psora), einen faulenden Aussatz über den ganzen Leib, so dass ihr ganze Stücke Fleisch ausfaulten (Syphilis); sie starb nach wenigen Tagen unter den größten Schmerzen.

Fall 50: Bearbeiten

Ein 16 jähriger Jüngling hatte eine Zeit lang Krätze (Psora); diese verlor sich und es entstanden dafür Geschwüre an den Unterschenkeln (Syphilinie)

Fall 51: Bearbeiten

Auf Einschmieren der Krätze (Psora) folgten bei einem 50 jährigen Manne fünfwöchentliche reißende Schmerzen (Sykose) in der linken Achsel, da dann in der Achselhöhle mehrere Geschwüre entstanden (Syphilinie).

Fall 52: Bearbeiten

Ein Quacksalber gab einem Studenten eine Salbe gegen die Krätze (Psora), wovon sie wohl verschwand, aber dagegen ein Geschwür im Mund (Syphilinie) entstand, was nicht geheilt werden konnte.

Fall 53: Bearbeiten

Ein Student, lange Zeit mit Krätze (Psora) geplagt, vertrieb sie durch eine Salbe und bekam dafür Geschwüre (Syphilinie) an den Armen und Beinen mit Drüsengeschwülsten (Sykose). Die Geschwüre (Syphilinie) wurden endlich durch äußere Mittel geheilt, worauf er erst in Engbrüstigkeit (Tuberkulinie), dann in Wassersucht verfiel (Sykose), woran er starb (Syphilinie).

Beurteilung:

Das Besondere an diesem Fall ist die Unterdrückug einer syphilitischen Erkankung. Wie wir erkennen können führt diese Unterdrückung auch zur Aktivierung der tuberkulinischen Ebene, wie es eine psorische Erkrankung getan hätte, diese leitet sich weiter zur sykotischen und wieder zurück zur syphilitischen auf der dann der Tod erfolgt.

Fall 54: Bearbeiten

Man findet da viele Beobachtungen, wo die Krätze, durch Salben vertrieben, Fieber zur Folge hatte und schwärzlichten Harn und wo, wenn die Krätze wieder auf die Haut gebracht ward, das Fieber verschwand und der Harn dem Gesunden gleich ward.

Beurteilung:

Auch wenn Samuel Hahnemann die Schwarz-Färbung des Urins der Psora zuordnete, so scheinen mir doch mehrere Mögklichkeiten offen. Es kann sich um eine Makrohämaturie handeln, die als Folge einer Tuberkulinie auftritt, um Störungen aufgrund einer Porphyrie, die psorisch, aber auch syphilitisch sein kann, um eine Melanurie aufgrund eines Melanosarkoms, oder eine Reaktion des Urins auf das Auftreten des Schwarzwasserfiebers, eine bei der Malaria tropica auftretende intravasale Hämolyse mit Hämoglobinausscheidung und meist tödlichem Ausgang. Gerade das Schwarzwasserfieber ist eine parasitäre Folgeerscheinung mit starker Bewegung Richtung Syphilinie, so dass die Zuordnung zur reinen Psora nicht gerechtfertigt erscheint. Je nach miasmatischer Tiefe sind auch die Heilungreaktionen und -Möglichkeiten zu bewerten.

Fall 62: Bearbeiten

Ein Beutlergesell, welcher gestickte Arbeit verfertigen sollte, vertrieb sich sein häufige Krätze (Psora) mit Bleisalbe (Syphilinie). Kaum war davon die Krätze im Abtrocknen, als ihn Frost (Erschöpfungsphase der Psora), Hitze (hyperaktive Phase der Psora), Engbrüstigkeit (Tuberkulinie) und rasselnder Husten (Sykose) befiel, woran er den vierten Tag erstickte (Syphilinie).

Fall 63: Bearbeiten

Ein dreißigjähriger, kräftiger, gesunder Mann bekam die Krätze (Psora) und ließ den Ausschlag von der Haut vertreiben, ward aber darauf von einem Katarrhalfieber (Sykose) mit unbändigem Schweiße (hyperaktive Psora - Sykose), aber langsam wieder hergestellt, als er auf einmal wieder von einem andern Fieber ohne weitere Veranlassung ergriffen ward. Die Anfälle fingen mit Bangigkeit (Psora) und Kopfweh (Psora) an, stiegen mit Hitze (hyperaktive Psora) und schnellem Puls (hyperaktive Psora - Sykose) und Morgenschweiße (hyperaktive Psora). Es kam dazu ungemeines Sinken der Kräfte (Erschöpfungsphase der Psora) und Irrereden (beginnende Syphilinie), ängstliches Umherwerfen (Tuberkulinie) und seufzerartiges Athmen mit Erstickungen (Tuberkulinie; Sykose; Syphilis) - eine Krankheit, die sich aller Arzneien ungeachtet mit dem Tode endigte (Syphilinie).

Fall 64: Bearbeiten

Bei einem Knaben verging die Krätze (Psora) von selbst; es folgte nun Fieber darauf (hyperaktive Psora). Die Krätze (Psora) erschien nun heftiger wieder und das Fieber verging (Ausbalancierung der Psora), aber das Kind magerte ab (Erschöpfungsphase der Psora oder gesteigerter Ruheumsatz der Tuberkulinie) und als die Krätze (Psora ) wieder vertrocknete, erfolgten Durchfall (hyperaktive Psora) und Zuckungen (hyperaktive Psora; Tuberkulinie) und bald darauf der Tod (Syphilinie).

Beurteilung:

In diesem Fall ist es schwierig eine miasmatisch einwandfrei Klärung das Ablaufes der Erkrankung zu finden, da mehrere Wege möglich sind. Zum einen sollte bedacht werden, dass die Psora mehrere Male von selbst von der Haut verschwand, was miasmatisch gesehen ein schlechtes Zeichen ist, da ein gesunder Organismus versuchen würde die psorische Erscheinung auf der Haut zu belassen. Hier aber geschieht das Gegenteil, immer wieder kommt es zu Spontan-UnterdrückungenSpontanunterdrückung, deren Ur-Sache so ohne weiteres nicht geklärt werden kann. Anzunehmen ist eine miasmatische Vorbelastung, die alleine aus den Aufzeichnungen nicht zu ergründen ist.

Dennoch können sie das bisherige allgemeine Reaktionsmuster auch in diesem Beispiel erkennen. Der Unterdrückung der psorischen Erscheinung folgt eine Hyperaktivität des Immunsystems, die sich zunächst in Fieber äußert. Mit Hilfe der Aktivierung gelingt es dem Organismus die Krankheitserscheinung wieder auf die Haut zu bringen. Doch aus irgendwelchen Gründen scheint der Organismus mit dieser Reaktion sich selbst überfordert zu haben, denn es kommt zu Abmagerungen, die zur Erschöpfungsphase der Psora gehören können. Nach der Hyperaktivität kommt nun die geschwächte Aktivität. Dieser folgt oft, wenn die Erkrankung tiefer in den Organismus steigt, ein parasitärer Befall, da die Immunsituation des Körpers geschwächt ist, und Parasiten die Chance nutzen können, in den Organismus einzudringen, um sich dort »häuslich« einzurichten.

Von der parasitären Erkrankung bis zur syphilitischen Zerstörungsreaktion ist kein weiter Weg mehr.

Gehen wir weiter davon aus, dass der Organismus ausgezehrt und geschwächt ist, und ein möglicher parasitärer Befall stattgefunden hat. Dies gehört momentan in den Bereich der Spekulation, ist aber eine häufig beobachtbare Reaktion.

Das nächste Zeichen, das uns der Organismus gibt, ist das Verschwinden der Hauterscheinung. Kein gutes Zeichen in dieser geschwächten Situation. Der Organismus scheint nicht mehr die Kraft zu haben, die Erkrankung auf der Haut zu halten, wieder kommt es zur Über-Aktivierung, hier in Form des Durchfalls, als sinnvolle Ausscheidungsreaktion, die hier zwei Gründe haben kann, den spekulativen parasitären Befall, oder den Versuch, die Ausscheidungsreaktionen, die jetzt über die Haut nicht mehr möglich sind, auf den Darm zu verlagern.

Auch die Zuckungen sprechen die Sprache der Hyperaktivität. Es ist jedoch nicht klar ob, die Zuckungen psorischer, tuberkulinischer oder sykotischer Natur sind. dass der Tod so bald darauf eintritt legt den Schluss nahe, dass es sich um eine tuberkuline Reaktion gehandelt haben könnte, mit Aktivierung des Spiegelmiasmas Syphilinie, die wenn nicht schon im Organismus vorhanden, was das spontane Zurücktreten der Hauterscheinungen erklären würde, so doch durch die Erschöpfungsphase der Psora gebahnt werden konnte.

Fall 65: Bearbeiten

Krätze (Psora) verging von selbst von der Haut, worauf schleichendes Fieber (hyperaktive Psora), Eiterauswurf (Tuberkulinie; Sykose) und endlich der Tod folgte (Syphilinie). In der Leiche fand man die linke Lunge voller Eiter.

Fall 66: Bearbeiten

Eine 80 jährige Frau hatte lange Zeit Gliederschmerzen (Sykose) und großen Krätz-Ausschlag (Psora), den sie sich mit Salbe vertrieb, worauf ein Fieber (Hyperaktivität) entstand mit heftiger Hitze (Sykose), Durst und wütendem Kopfschmerz, wozu Irrereden (Sykose; Syphilinie), unbändige Engbrüstigkeit (Tuberkulinie), Aufgednunsenheit des Körpers (Sykose) sich gesellte. Am sechsten Tage des Fiebers war sie todt (Syphilinie). Der Unterleib enthielt bloß viel Luft (Tuberkulinie) und besonders der von Luft strotzende Magen füllte die Hälfte des Unterleibes an.

Beurteilung:

Eine Ausgangsituation wie in diesem Fall, in dem sykotische und psorische Erscheinungen gleichzeitig im Organismus nebeneinander vorliegen, und eigene Krankheitsbilder hervorrufen, ist keine gute Ausgangsposition, obwohl für die heutigen Krankheitsausprägungen fast die Regel. Wir sollten uns hierbei vor Augen halten, dass die tuberkulinische Intermediärkrankheit trotz vorhandener Sykose und vorhandener Psora nicht aktiviert wurde. Dies geschieht jetzt aber durch die Unterdrückung der Psora.

Die aktive Sykose und die aktive Psora, und jetzt die künstliche erzeugte Aktivierung der Tuberkulinie schaffen eine Krankheitssituation, die sehr ungüstig ist, da sowohl die gestörte Sykose, als auch die aktivierte Tuberkulinie in der Syphilinie münden können.

Die Tatsache, dass nur geblähte Darmabschnitte als Sterbebegleitung gefunden wurden schiebt den tuberkulinischen Anteil bei diesem Erkrankungsprozess sehr in den Vordergrund, denn ähnlich wie die Kaverne ! tuberkulösetuberkulöse Kaverne sind auch die geblähten Därme Tumorerkrankungen (Sykose), die eigentlich nichts (Psora) beinhalten und somit die typische tuberkuline Mischsituation aus Sykose und Psora darstellen.

Hierin kann auch eine Antwort auf die Frage liegen, warum der Organismus nicht versucht hat die sykotische Erkankung Rheuma über tuberkuline Prozesse auszuheilen. Vielleicht war dem Organismus die tuberkuline Falle bewusst, die sich in der Spiegel-Reaktion zur Syphilinie äußerte, und er versuchte aus diesem Grunde die Aktivierung der Tuberkulinie zu vermeiden.

Fall 67: Bearbeiten

Ein Mann, dem der Kopfgrind (Psora) von heftiger Kälte vergangen war, ward nach 8 Tagen von einem bösartigen Fieber (Hyperaktivität; Tuberkulinie; Sykose) mit Erbrechen (Hyperaktivität) ergriffen, zuletzt mit Schlucksen (Hyperaktivität; Tuberkulinie) begleitet, er starb (Syphilinie) daran am neunten Tage. Und in demselben Artikel führt Morgagni den Fall an, wo ein Mann, mit Krätzschorf an den Armen und anderen Theilen behaftet, sich fast den ganzen Ausschlag mit einem ausgeschwefelten Hemd vertrieb, aber soglich mit ziehenden Schmerzen (Sykose) am ganzen Körper, mit einem Fieber (Hyperaktivität) verbunden, ergriffen ward, so er weder die Nacht ruhen, noch sich auch am Tage von der Stelle rühren konnte; auch die Zunge und der Schlund wurden von dem Übel befallen. Mit vieler Mühe ward der Ausschlag wieder auf die Haut gebracht und so seine Gesundheit wieder hergestellt.

Fall 69: Bearbeiten

Ein junger Kaufmann hatte sich die Krätze mit Salbe vertrieben, worauf ihn plötzlich eine solche Heiserkeit befiel, daß er kein lautes Wort sprechen konnte; darauf folgte eine trockne Engbrüstigkeit (Tuberkulinie), Ekel gegen alle Speisen, heftiger, besonders nachts beschwerlicher Husten (Tuberkulinie), der den Schlaf raubte, heftige übelriechende Nachtschweiße (Tuberkulinie; Syphilinie) und, aller medizinischer Bemühungen ungeachtet, der Tod.

Fall 70: Bearbeiten

Ein 60 jähriger Bürgermeister ward von der Krätze (Psora) angesteckt und litt unsäglich viel davon die Nächte über (Syphilinie), brauchte sehr viele Arzneien vergeblich und ließ sich zuletzt von einem Bettler ein angeblich probates Mittel lehren aus Looröl, Schwefelblumen und Schweinefett, womit er einige Male bestrichen vom Ausschlag frei, aber bald darauf von einem heftigen Fieber-Froste (psorische Hyperaktivität wechselt mit Erschöpfung) ergriffen ward mit nachfolgender, ungeheurer Hitze des ganzen Körpers (Hyperaktivität bis Sykose), gewaltigem Durste, keichender Kurzäthmigkeit (Tuberkulinie), Schlaflosigkeit, starkem Zittern am ganzen Körper und großer Mattigkeit, so daß er den vierten Tage seinen Geist aufgibt Syphilinie) .

Beurteilung:

In dieser Fallgeschichte sehr ausgeprägt ist die Stimulierung beider Äste der Heilungsreatkionen, dem sykotischen Ast, der in der Hyperaktivität seine Grundlage besitzt und sich im heftigen Fieber, dem heftigen Durst, dem Zittern und ähnliche Symptome äußert, und dem Erschöpfungspol der Psora, der in der Syphilinie endet.

Als wichtige Tatsache sollten wir die nächtliche Verschlimmerung schon zu Beginn im Auge behalten, denn die nächtliche Verschlimmerung spricht nicht die Sprache der Psora allein, da die Nachtzeit im Wesentlichen der Syphilinie vorbehalten ist. So können wir schon von Beginn an davon ausgehen, dass es sich nicht alleine um einen psorischen Krankheitsprozess handelt, sondern um einen syphilitisch-psorischen, der auch beim Aufbau der Heilungsreaktionen, die zunächst hyperaktiv sein sollten, bereits störend eingreift, in Form des Fieberfrostes erkennbar, und später in Form der Mattigkeit. Der Tod ist wieder aus der Spiegelbeziehung von Tuberkulinie und Syphilinie erklärbar.

Fall 71: Bearbeiten

Aus gleicher Ursache ein mit Wahnsinn zum Tode eilendes Fieber.

Fall 77: Bearbeiten

Es erfolgte die tiefste Ohnmacht (Erschöpfungsphase der Psora ?) und bald darauf die schrecklichsten Konvulsionen (Tuberkulinie) und Tod (Syphilinie) nach mit Salbe vertriebner Krätze bei einem Mädchen.

Beurteilung:

Todesursache wahrscheinlich wieder die spiegel-miasmatischen Beziehungen zwischen Tuberkulinie und Syphilinie.

Fall 79: Bearbeiten

Einem erwachsenen Manne, welcher schon einige Jahre Zittern (hyperaktive Psora; Syphilinie) an den Händen gehabt, trocknete der Grindkopf (Psora) ein. Er verfiel darauf in große Mattigkeit (Erschöpfungsphase der Psora) und bekam rothe Flecken am Körper (Psora; Syphilinie), ohne Hitze; das Zittern ging in konvulsives Schütteln über (Tuberkulinie), es ging blutige Materie aus der Nase (Tuberkulinie), den Ohren und der Brust durch Husten von ihm und er starb den 23sten Tag unter Konvulsionen.

Beurteilung:

Wieder sehen wir eine Erkrankung in der Tuberkulinie münden und dann zum Tode führen. Nach den bisherigen Aufzeichnungen und Ausführungen, kann die bekannte »Spiegelreaktion« von Tuberkulose und Syphilinie die Ur-Sache dieses Todes sein, somit sollte es nun unsere Aufgabe sein nach Spuren der Syphilinie zu suchen, die den Tod in der tuberkulinischen Phase erklären können.

Zunächst einmal begeneten wir der Symptomatik des Zitterns. Dieses kann ein Symptom der hyperaktiven psorischen Phase sein, ist aber auf der anderen Seite bei syphilitischen Prozessen beschrieben. Die Tatsache, dass der Patient nach der Unterdrückung der Psora in eine große Mattigkeit verfiel, kann als Hinweis gedeutet werden, dass die Erschöpfungsphase der Psora, die ja bekanntermaßen in die Syphilinie mündet, aktiv ist.

Auch die roten Flecken, können ein Zeichen der hyperaktiven psorischen Phase sein, hier oft vergesellschaftet mit einem gewissen Hitzegefühl, aber auch Manifestationen der Syphilinie.

Die Unterdrückung der Psora aktivierte nun die Reaktionen, die wir bereits kennen, und die in die Tuberkulinie münden. Wegen der Erschöpfung, und den möglicherweise latent vorhandenen syphilitischen Manifestationen ist diese Aktivierung der Tuberkulinie, auch in Hinblick auf die Spiegelbeziehung zur Syphilinie, tödlich verlaufen.

Fall 95: Bearbeiten

Ein zwanzigjähriger Student bekam die feuchte Krätze, welche die Hände so einnahm, daß er zu seinen Geschäften untauglich ward. Eine Schwefelsalbe vertrieb sie ihm. Aber kurz nachher zeigte sich, wie sehr seine Gesundheit dadurch gelitten hatte. Er ward verrückt, sang oder lachte, wo es sich nicht geziemte, und lief bis er aus Müdigkeit zu Boden sank. Von Tage zu Tage ward er an Seele und Körper kränker, bis ihn zuletzt der Halbschlag rührte und tödtete. Man fand die Eingeweide des Unterleibs alle unter einander zu einer festen Masse verwachsen, die mit kleinen Geschwüren besetzt war, voll Knoten zum theil in der Größe der Wallnüsse, worin sich eine zähe gypsartige Materie befand.

Beurteilung:

Ich habe es in diesem Fall unterlassen die einzelnen Abschnitte mit den jeweiligen Miasmen zu kennzeichnen, da dieser Fall sich etwas komplizierter darstellt, als die bereits beschriebenen.

Zunächst einmal beginnt die Fallgeschichte nicht mit der Psora, sondern mit der Sykose. Aus diesem Grunde handelt es sich hier zwar um eine Unterdrückung der Krätze, miasmatisch gesehen aber um die Unterdrückung der Sykose.

Wir sagten bereits, dass die Psora eine Mangelkrankheit ist. Die Sykose ist eine Überschusskrankheit und die Syphilinie eine Zerstörungskrankheit.

Feuchte Absonderungen zeigen nicht den Mangel, sondern den Überschuss, die Überproduktion von Sekret, gehören daher zur Tuberkulinie, oder zur Sykose. Somit ist dieser Fall nicht vergleichbar mit den übrigen, zumal er auch die tuberkuline Ebene vermissen lässt, die ja nicht auftreten kann, wenn die Erkrankung bereits im sykotischen Stadium ist.

Eine tuberkuline Reaktion wäre eine Heilreaktion, oder eine Kompensation, nicht aber eine Folge der Unterdrückung.

Der Wahnsinn der hier beschrieben ist, ist ein sykotischer Wahnsinn, geprägt von unmäßigen und übermäßigen Verhalten. Doch nicht nur das, sondern auch die Prägung durch die Hyperaktivität zeigt sich im Laufdrang, der erst zu Ende ist, wenn der Patient erschöpft zu Boden fällt, das heißt die syphilitische Phase erreicht hat.

Auch der Schlaganfall trägt die Spuren der Sykose, aber auch der Syphilinie, ein Zustand der dem Patienten schlussendlich das Leben kostete (Syphilinie).

Auch die Erscheinungen im Bauchraum sind geprägt von Syphilinie und Sykose, Die sykotischen Absonderungen, die zu Verklebungen führten, die sykotischen Knoten in der Größe von Walnüssen, die sykotische gipsartige Materie, und nicht zuletzt die syphilitischen Geschwüre.

Der Verlauf in diesem Beispielfall ist so heftig, da es sich um eine Unterdrückung der Sykose handelt, nicht der Psora, und der Organismus nur noch mit Sykose und Syphilinie reagieren kann, was oft einen raschen Tod bedeutet.

Schlussfolgerungen Bearbeiten

Nachdem wir uns der Mühe unterzogen haben die Fallbeschreibungen in Hahnemanns »Chronischen Krankheiten« genauer unter die Lupe zu nehmen, haben wir jetzt einen Zustand erreicht, in der genauere Aussagen über die Reaktionen des Organismus möglich sind.

Dessen Reaktionsweise kennen- und verstehen zu lernen ist essentiell um eine heilende Therapie durchführen zu können.

Hahnemann hat das erkannt, als er die »Chronischen Krankheiten« schrieb.

Was wir aus diesen Fallverläufen lernen können ist immens, und ich kann die Prinzipien aus diesem Grunde nicht häufig genug wiederholen, bis die Wahrheit dessen was die Fallverläufe zeigen tief in unser Bewusstsein gedrungen ist, und wir aus diesen Un-Heilreaktionen unser Verhalten, zur Erzeugung von Heil-Reaktionen beziehen.

Betrachten wir die Fallverläufe so erkennen wir, dass der Organismus nach Unterdrückung der Psora in der Hauptsache vier miasmatische Ebenen bis zum Tod durchläuft.

1. die psorische Ebene

2. die tuberkulinische Ebene

3. die sykotische Ebene

4. die syphilitische Ebene

Die psorische Ebene Bearbeiten

Befindet sich der Organismus unter dem Einfluss des psorischen Mangels, so kann er versuchen über die Haut Stoffe abzusondern, die ihm selbst Schwierigkeiten machen. Auf diese Weise entstehen die meisten Hauterscheinungen. Dieser Zustand wird latente Psora, oder schlafende Psora genannt.

Wird die latente Psora durch einen Reiz geweckt, das heißt, es findet der Versuch einer Unterdrückung statt, so beginnt der Organismus sich dagegen aufzubäumen und es kommt zur Aktivierungsphase oder aktiven Form der Psora.

Da der psorische Mangel eine solche Reaktion nicht lange zulassen kann ohne die funktionelle Ebene zu verlassen, kommt es danach entweder zu Erschöpfungsreaktionen, die wir als Erschöpfungsphase der Psora kennenlernten, oder zu einer miasmatischen Fixierung auf einer neuen Krankheitsebene, die wir Tuberkulinie nennen.

In der tuberkulinischen Phase beginnt der Organismus die funktionelle Ebene der Psora zu verlassen und organische Veränderungen können sich breitmachen.

Erkennbar ist die miasmatische Fixierung daran, dass der Organismus nicht mehr in der Lage ist den psorischen Hautausschlag, der unterdrückt wurde aus eigener Kraft wieder hervorzubringen.

In seltenen Fällen reagiert der Organismus auf eine Unterdrückung der psorischen Äußerungen nicht mit Aktivität sondern mit Erschöpfung, vor allem dann wenn der Organismus bereits vorgeschädigt, oder auf andere Weise entkräftet wurde.

Die tuberkulinische Ebene Bearbeiten

Findet eine miasmatische Fixierung auf der tuberkulinischen Ebene statt, so kann der Organismus ohne Hilfe die psorische Ebene alleine nicht wiedererlangen, unabhängig davon ob das Erreichen der tuberkulinischen Ebene durch Unterdrückung oder durch genetische Disposition verursacht wurde.

In der tuberkulinischen Ebene sind einige Besonderheiten zu beachten:

1. Heilung erfolgt durch Re-Aktivierung der Psora,

2. Unterdrückung erfolgt in Richtung Sykose

3. Spiegelreaktionen entstehen durch syphilitische Belastung oder syphilitische Therapien

4. die tuberkuline Ebene kann eine Kompensation der sykotischen Ebene sein.

Zu 1.) Nur wenn die psorische Ebene durch Therapie wieder erreicht werden kann, ist es möglich die Tuberkulinie auszuheilen. Genauer gesagt kann die miasmatische Krankheit überhaupt nur auf der psorischen Ebene bzw. auf der Ebene der Tsora-at geheilt werden, denn hier nahm sie ihren Anfang. Die Heilung der Tuberkulinie erfolgt also durch Aktivierung der Psora. Dies kann auf zwei Weisen geschehen:

a. Behandlung der Tuberkulinie durch die entsprechenden Miasmatika (Tuberkulinika)

b. Aktivierung der Psora durch Reizstoffe oder ähnliches. (Miasmenbahnung)

Zu 2.) Nach der tuberkulinen Ebene kann es zu einer sykotischen Aktivierung kommen, wenn der Krankheitsprozess weiter anhält ohne geheilt zu werden. Tauchen daher sykotische Symptome nach einer Therapie des tuberkulinen Miasmas auf, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Unterdrückung, oder um eine Kompensation der Sykose durch die Tuberkulinie. Geschieht dies, so sollte nach einem geeigneteren Tuberkulinikum gesucht werden. Hat sich die Sykose jedoch fixiert, und ist durch die Verabreichung von gut gewählten Tuberkulinika nicht zu verändernd, so ist es wichtig die Sykose durch die Verabreichung von Sykotika zu behandeln.

Zu 3.) Ist der Organismus, der unter dem tuberkulinen Miasma leidet bereits durch die Syphilinie vorbelastet, so kann es zu SpiegelreaktionenSpiegelreaktionen kommen, die nicht nur unberechenbar, sondern auch gefährlich sein können. Oft ist es notwendig in schneller Folge die Syphilinie, bzw. Tuberkuline durch ihre entsprechenden Miasmatika zu behandeln, oder ein Arzneimittel zu finden, das sowohl der tuberkulinischen, als auch der syphilitischen Symptomatik entspricht, was sich in der Praxis häufig sehr schwierig gestaltet. Hat sich die Syphilinie aktiviert, mag es notwendig sein, den Weg über die Sykose und die Tuberkulinie in Richtung Psora zu gehen. Ein langwieriger Prozess, der allerdings unabdingbar ist, wollen wir eine Heilung erreichen.

zu 4.) Wir sprachen bereis über Kompensationen, und die Tatsache, dass Kompensationen über Aktivierung von Krankheitsprozessen versuchen ein Erkrankung auf einer niedrigeren Ebene zu halten, als es der Wirklichkeit entspricht. In unserem Fall kann die tuberkulinische Symptomatik eine Kompensation der sykotischen sein. Da die tuberkulinische Symptomatik bereits eine Teilheilungsreaktion ist, die nicht zu Ende gebracht werden kann, aber den Druck von der sykotischen Ebene verlagert, ist es für den Organismus nicht möglich auf Tuberkulinika in entsprechender Weise zu reagieren, da diese Mittel zwar die SymptomebeneSymptomebene treffen, nicht aber die ErkrankungsebeneErkrankungsebene. Eine Heilung kann jedoch nur stattfinden, indem wir die richtige miasmatische Ebene finden, und sie behandeln (abgesehen von der Möglichkeit die Miasmenbahnung zu nutzen). Dies ist bei der Kompensation ein homöopathisch äußerst schwieriges Unterfangen, da sich durch die Kompensationsreaktionen des Organismus die sykotischen Symptome so gut wie nicht zeigen. Das heißt wir müssen auf Symptome verschreiben, das richtige Sykotikum finden, ohne entsprechende Symptomatik zu besitzen. Eine Grundidee, die eigentlich der Homöopathie widerspricht, jedoch in Fällen ihre Anwendung findet, die diese Kompensationsreaktionen zeigen. In solchen Fällen ist es nötig die sykotischen Reaktionsmuster der Vergangenheit des Patienten zu erfragen, und auch seiner engeren familiären Linie, um die sykotische Belastung zu erahnen und eine geeignete Symptomatik zu finden, auf die verschrieben werden kann.

Die sykotische Ebene Bearbeiten

Hat die Erkrankung die sykotische Ebene erreicht, zeigen sich hauptsächlich drei Reaktionsformen nach der Gabe eines entsprechenden Sykotikums:

1. Aktivierung der Tuberkulinie oder der Psora

2. Aktivierung der Syphilinie

3. die sykotische Ebene ist eine Kompensation der Syphilinie

Zu 1.) Aktivierungen der Tuberkulinie oder der Psora kennzeichnen Heilungsreaktionen, die unter Umständen durch die entsprechenden Miasmatika weitergeführt werden müssen.

Zu 2.) Eine Aktivierung der Syphilinie stellt in den meisten Fällen eine Unterdrückung dar, die durch die Gabe der geeigneten Syphilitika wieder rückgängig gemacht werden kann. Es erfolgt dann eine Reaktivierung der Sykose, und muss von dort aus weiterbehandelt werden. Erscheint die Syphilinie, ohne dass die Erkrankung unterdrückt wurde, handelt es sich um die Reaktivierung einer latent vorhandenen Syphilinie, die durch entsprechende Mittel behandelt werden sollte. Im Unterschied zur unterdrückten Sykose heilt sich die reaktivierte Syphilinie nicht allein durch Reaktivierung der Sykose aus, sondern kann sich auch über Aktivierung des parasitären Miasmas ausheilen. Probleme gibt es wiederum dann, wenn die Aktivierung der Syphilinie, sei es als Unterdrückung, sei es als Reaktivierung, durch ihre Spiegelbeziehung zur Tuberkulinie diese wiederum aktiviert. Dann sollte die Behandlung ähnlich der Prinzipien erfolgen, die unter Tuberkulinie beschrieben wurden.

Zu 3.) Stellt die Sykose nur eine Kompensation der Syphilinie dar, wird sie durch sykotische Mittel kaum zu beeinflussen sein, und benötigt zur Ausheilung die entsprechenden syphilitischen Arzneimittel.

Die syphilitische Ebene Bearbeiten

Die syphilitische Ebene ist die letzte Ebene die der Organismus durchschreitet. In ihrer zerstörerischen Weise bereitet die Syphilinie den Organismus auf sein ganz-physiche Zerstörung vor, den Tod. Diese Tatsache ist wichtig, da wir als Therapeuten auf diese Weise wissen, dass jenseits dieser Ebene nur noch das Ende wartet. Das heißt, dass Unterdrückungen auf dieser Ebene fatale Folgen haben, denn sie steigern den syphilitischen Prozess und fördern das Ableben.

Heilungsreaktionen finden auf der syphilitischen Ebene in drei Richtungen statt:

1. Aktivierung der Sykose

2. Aktivierung des parasitären Miasmas

3. Aktivierung der Psora

Jede Aktivierung dieser drei Miasmen ist positiv für die Syphilinie und kann einen Spannungsverlust mit sich bringen.

Unheilvolle Folgen haben dagegen:

1. Die Unterdrückung der Syphilinie

2. Die Aktivierung der Tuberkulinie.

Zu 1.) Wie gesagt kommt nach der Ebene der Syphilinie nichts mehr, das heißt, dass bei einer Unterdrückung der Syphilinie es nicht zur Bildung eines neuen Miasmas kommt, sondern nur eine Vertiefung der Syphilinie, und die hat zumeist zur Folge, dass die Syphilinie immer lebenswichtigere Organsysteme angreift, was zu einer Schwächung des Organismus führt und Behandlungen fragwürdig werden lassen.

Zu 2.) Ebenfalls als negativ zu beurteilen ist eine Aktivierung der Tuberkulinie, die durch ihre Spiegel-Beziehung zur Syphilinie diese immer wieder aktivieren kann, wenn wir versuchen die Tuberkulinie zu behandeln. Eine der Möglichkeiten, die wir besitzen um aus diesem Teufelskreis herauszukommen ist durch MiasmenbahnungMiasmenbahnung. Dies geschieht durch Aktivierung der Sykose, die eine Heilreaktion der Syphilinie darstellt, und wiederum über die Tuberkulinie ausgeheilt werden kann. Auf diese Weise kann es in einigen Fällen zur Durchbrechung des Teufelskreises kommen.

Nachwort Bearbeiten

Ein Verständnis der geschriebenen Zusammenhänge ist für die Behandlung chronischer, vor allem hereditär-chronischer Erkrankungen sehr wichtig. Auch wenn die Konzepte zunächst sehr neu erscheinen mag, wird es nach einer gewissen Zeit vertraut und eine große Hilfe bei der Behandlung scheinbar unheilbarer Krankheiten.

In diesem Zusammenhang ist es noch einmal wichtig zu betonen, dass eine Erkrankung die die Stufe der Syphilinie erreicht hat nur über die Behandlung der Syphilinie möglich ist. Diese Zusammenhänge wurden von Burnett deutlich hervorgehoben, der die Theorie des Haltepunktes formulierte.

Viele Homöopathen versuchen auch die Syphilinie mit Arzneimitteln zu behandeln, die eine rein psorische Wirkung haben. Der Effekt ist, dass der Patient zwar erscheinungsfrei werden kann, der syphilitisch-zerstörerische Prozess jedoch nicht stoppt, und plötzlich irgendwann das Leben des Patienten fordern kann. Ähnliches gilt für die Sykose. Auch hier bilden sich Tumoren weiter, obwohl es den Patienten auf allen anderen Ebenen immer besser geht.

Denken Sie daran, um wirklich zu heilen ist es wichtig, dass sie nicht nur die richtige Arznei wählen, sie sollten auch eine Arznei wählen, deren Haltepunkt im zu behandelnden Miasma ist, und nicht eine Stufe darunter (Ausnahme: Miasmenbahnung).